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Interview: Fast fünfzigjähriger Quereinsteiger ist Klassenbester

Frank Borchardt wurde im Jahr 1959 in Eberswalde geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter und arbeitete dann in einer großen Raffinerie als Anlagenführer. Im Jahr 1993 wechselte er in die Papierindustrie zum damaligen Haindl-Werk, jetzt UPM Schwedt, als Anlagenfahrer in der Abteilung Altpapieraufbereitung. Nach kurzer Zeit wurde er Vorarbeiter.

Herr Borchardt, Sie haben sich mit fast fünfzig Jahren für einen Meisterkurs eingeschrieben. Was waren die Beweggründe?

Vor drei Jahren bot man mir die Position als Tagschichtmeister an, Voraussetzung dafür war der Meisterbrief. So ganz wohl war mir bei der Sache zwar nicht, denn ich war ja schon 30 Jahre aus der Schule raus. Aber ich wollte es versuchen.

Fehlte Ihnen nicht Wissen aus der Schulzeit?

Das nicht so sehr, denn Naturwissenschaften waren in der Schule meine Spezialfächer. Schwieriger war, dass ich als Quereinsteiger wenig Kenntnisse in der Papierfertigung hatte. Mit der guten Unterstützung durch Lehrer und Klassenkameraden ging es dann aber.

Und das Lernen überhaupt?

Als Älterer nimmt man Neues nicht mehr so leicht auf wie Jüngere. Da muss man öfter mal wiederholen. Es war schon manchmal Stress. Zusammen mit den Kollegen hat es aber auch Spaß gemacht.

Sie haben die Meisterprüfung dann mit der Note 1,3 als Klassenbester bestanden…

Das hätte ich auch nicht gedacht. Es zeigt eben, dass die „Alten“ immer für Überraschungen gut sind.