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Gute Aussichten

Mit den diesjährigen 16 Absolventen sind es nun fast hundert Papieringenieure, die seit Bestehen des Studiengangs im Jahr 2002 an der Dualen Hochschule Karlsruhe ausgebildet wurden. Auch die diesjährigen Bachelors erwarten gute Berufsaussichten.

Manfred Fieting

Seit dem Jahr 2002 werden am Papierzentrum Gernsbach in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Karlsruhe Papieringenieure ausgebildet. Drei Jahre währt die Studienzeit, die sowohl in Karlsruhe, als auch in Gernsbach stattfindet. Am Vormittag des 12. November wurden zum nunmehr sechsten Mal Papieringenieure im Pavillon des Papierzentrums im feierlichen Rahmen verabschiedet. Alle haben die Prüfungen bestanden und die Ermittlung des Besten erforderte größere mathematische Berechnungen, wie später bekannt gegeben wurde. Zunächst jedoch wurde „gestrichen“. Kein Papier, sondern die Geigen und das Cello durch fünf Kinder der Familie Ell aus Gernsbachs Teilort Scheuern, auf dem Klavier begleitet von Anthea Thoma. Die Begrüßung der zahlreichen Gäste übernahm der Geschäftsführer des Papierzentrums, Dr. Hans-Peter Berger, in Vertretung von Hauptgeschäftsführer Stephan Meißner. Mit den sechzehn frisch gebackenen Papieringenieuren haben in Gernsbach und Karlsruhe seit dem Jahr 2002 insgesamt 97 junge Leute ein Papieringenieur-Studium absolviert, 39 weitere sind noch in der Ausbildungsphase.

Ihre Berufsaussichten sind sehr gut, obwohl es der Papierindustrie nach den Worten von Dr. Berger nicht so gut geht wie der übrigen deutschen Industrie. Die Produktion ist immer noch niedriger, der Umsatz fiel um 16 Prozent und die Auslastung der Maschinen ist gesunken im Vergleich zur Zeit vor der Weltwirtschaftskrise. Im vergangenen Krisenjahr wurde in mehr als zwei Dritteln aller deutschen Papierfabriken Kurzarbeit geleistet. Zurzeit ist die Nachfrage allerdings wieder so stark angestiegen, dass in vielen Betrieben über die Weihnachtsfeiertage durchgearbeitet werden muss.

Die Chancen von so hoch qualifizierten Mitarbeitern wie den jungen Ingenieuren am Arbeitsmarkt steigen. Seit kurzem wurde die Ausbildung zudem zum „Bachelor“ erweitert, was ihre Aussichten im Ausland verbessert. Mit einer Gratulation an die neuen Bachelors – darunter drei „Bachelorinnen“ – beendete Dr. Berger seine Rede.

Der Prorektor der Dualen Hochschule Karlsruhe, Prof. Dr. Stephan Schenkel, erläuterte, dass die frühere Berufsakademie Karlsruhe nun Hochschule geworden ist, an der angewandte Forschung betrieben wird. Eigentlich ist zum Studium an einer Hochschule das Abitur Voraussetzung, doch können auch Meister und Techniker nach einem Eignungstest und Praxissemestern das Studium aufnehmen und mit dem Bachelor abschließen. Auch Hauptschülern wird damit bei entsprechendem Fleiß und Begabung ein Hochschulstudium ermöglicht. Was dringend erforderlich ist, denn der Bedarf an Ingenieuren wächst. Zudem wurde der Studiengang „Papiertechnik“ inzwischen um die beiden Richtungen „Verpackungstechnik“ und „Zellstoff-Erzeugung“ erweitert. „Mit dem Zeugnis haben Sie nun den Schlüssel zu einem erfolgreichen Berufsleben in der Hand. Benutzen Sie ihn“, ermunterte Professor Schenkel die jungen Leute.

Den Bestenpreis der Vereinigung der Arbeitgeberverbände, VAP, übergaben Professor Dr. Volker Höntsch von der Dualen Hochschule Karlsruhe und Dr. Hans-Peter Berger vom Papierzentrum Gernsbach an Thomas Lukschanderl von der Voith AG in Heidenheim.

Auch Yvonne Raschka von der Firma Heimbach in Düren und Johannes Kaiser von Voith Heidenheim haben ihre Prüfung mit der Note 1,5 abgeschlossen, doch Thomas Lukschanderl lag um wenige Hundertstel vorn. Den Industriepreis für die beste praxisorientierte Bachelor-Arbeit bekam Coskun Akbaba von Mitsubishi HiTec Paper in Bielefeld. Er hat eine wissenschaftliche Arbeit zu einer aktuellen Problemstellung seiner Firma erstellt. Darin wird die kontinuierliche und störungsfreie Abwasserversorgung untersucht und der Frischwasserbedarf reduziert, was seinem Arbeitgeber jährlich 200 000 Euro an Ausgaben erspart.

Thomas Lukschanderl hielt als Absolvent eine kurze Ansprache und lobte den Teamgeist der „tollen Truppe“, der hoffentlich Bestand habe. Sie war international zusammengesetzt mit englischen, französischen und russischen Teilnehmern und sogar einem aus Singapur.