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Glückwunsch!

Insgesamt 44 neue Meister Papiererzeugung, 26 im Vollzeit- und 18 im Teilzeitkurs, legten in diesem Sommer die Meisterprüfung ab. Gefordert waren Kenntnisse im Bereich Papiertechnologie, Führung und Organisation, außerdem eine Projektarbeit.

Verena Manek

Monatelanges Lernen mit anschließendem Prüfungsstress hatten Ende Juli ein Ende. Die Industriemeister Papiererzeugung hielten den Meisterbrief der IHK in Händen. Er wurde überreicht im Rahmen einer kleinen Feier im Papierzentrum, zu der ebenso wie zum anschließenden Essen auch die Angehörigen eingeladen waren.

Oberstudiendirektor Jürgen Gerstner ging noch einmal auf die neu erworbenen Fähigkeiten der Meister ein. Er hob die „weichen“ Qualifikationen hervor, wie Organisation und Führungsverhalten, die immer wichtiger würden. Das fachliche Wissen ändere sich so schnell, es müsse sowieso lebenslang erneuert werden. Aufgabe der Schule sei es, Wissen zu vermitteln, das die Schüler noch nicht besitzen, dazu gehört vieles im zwischenmenschlichen Bereich wie etwa Personalführung, aber auch Projektmanagement oder kostenbewusstes Handeln. Dies seien Werkzeuge, wenn auch nicht im klassischen Sinn, die die Meister nun in der Praxis anwenden, üben und eventuell erweitern müssten. In dem Zusammenhang bat der Schulleiter um Rückmeldung in ein bis zwei Jahren, welche weiteren Anforderungen der Praxis in der Ausbildung noch berücksichtigt werden sollten. Er wünschte den Meistern einen guten Start und viel Erfolg: „Seien Sie optimistisch, Sie sind die ersten, die von einem Aufschwung profitieren!“

„Ich rechne fest damit, dass die Papierindustrie in Deutschland eine gute Zukunft hat“, betonte Stephan Meißner, Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums. Im Moment müssten die Meister möglicherweise etwas warten, um eine adäquate Stelle im Betrieb zu bekommen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei mit einem jahrzehntelangen Umstrukturierungsprozess zusammen gekommen. Schon seit Jahren würde mit weniger Beschäftigten immer mehr produziert. Außerdem würden in der Industrie immer weniger An- und Ungelernte, aber immer mehr Hochqualifizierte gebraucht. „Dazu gehören Sie“, betonte Meißner. Der Aufschwung werde seiner Meinung nach in der Papierindustrie schon im nächsten Jahr kommen, denn die Branche sei eine Frühindikatorindustrie, die die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung etwas vorwegnehme. Und vor allem in Osteuropa gebe es bei allen Papieren einen großen Nachholbedarf. Aufgabe der Meister sei es auch, Zuversicht an Mitarbeiter weiter zu geben. Zu bedenken gab er noch: „Sie üben als Vorgesetzte Macht aus, diese muss verantwortungsvoll ausgeübt werden.“ Im Namen der Industrie dankte er den Lebenspartnern und Kindern der Meister, „die zusammen mit Ihnen die Zeit der Ausbildung durchgestanden haben“.

Das Durchschnittsalter der Meisterschüler lag übrigens auch in diesem Jahr bei Anfang dreißig. Aber die Bandbreite war relativ groß. So ist der Älteste unter ihnen, aus dem Teilzeitmeisterkurs, bereits Anfang fünfzig, drei andere sind über vierzig, während der Jüngste gerade 22 Jahre zählt.

Die beste Projektarbeit fertigte Dennis Hieronymus von der Papier- und Kartonfabrik Varel an. Stephan Meißner überreichte ihm ein Geschenk für die hervorragende Arbeit über die „Vorstellung und Optimierung des Bahninspektionssystems an der Kartonmaschine 3“.

Auch Ines Schomburg von der IHK Karlsruhe ließ die aktuelle Krise nicht ganz unerwähnt. Im Chinesischen setze sich das Wort Krise aus zwei Schriftzeichen zusammen, dem für Gefahr und dem für Gelegenheit. „Deutschland braucht Fachkräfte wie sie, gerade in Zeiten der Krise“, betonte sie. Fachkräfte aus Deutschland seien international gesucht. Und: „Trotz Krise werden wir Nachwuchs brauchen.“ Es sei wichtiger denn je, Jugendliche zu motivieren. Auszubildende brauchten fachlich und pädagogisch erfahrene Ausbilder. Deshalb appellierte sie an die Meister, die einen Ausbildungsschein haben, aktiver Prüfer im Prüfungsausschuss zu werden.

Für den Klassenlehrer des Vollzeitmeisterkurses, Oberstudienrat Artur Haitz, war dies der letzte Meisterkurs. Er geht danach in den Ruhestand. Als Andenken an seine Schüler überreichte Klassensprecher Florian Schöpfer ihm ein Klassenfoto.