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Flexible Lösung

Die neue Prüfungsordnung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister – Fachrichtung Papiererzeugung ist im Jahr 2005 in Kraft getreten. Diese Fortbildungsmöglichkeit in Vollzeitform über einen Zeitraum von zehn Monaten bietet den Facharbeitern und Facharbeiterinnen der Papierindustrie eine attraktive Perspektive zur Aufstiegsqualifizierung. Noch eine weitere Möglichkeit steht nun offen: Die Fortbildung zum Industriemeister Papiererzeugung in Teilzeitform.

Thomas Müller

Bisher waren die Betriebe gezwungen, den künftigen Meister nahezu ein ganzes Jahr von seiner Tätigkeit freizustellen und darüber hinaus innerbetrieblich einen Ersatz zu organisieren. Dies wird für die Unternehmen aufgrund der im wirtschaftlichen Wettbewerb nötigen Verschlankungs- und Effektivierungsprozesse ihrer Organisation immer schwieriger.

Die Papiermacherschule Gernsbach kommt der Industrie mit einer flexibleren Lösung entgegen: Ab dem Schuljahr 2006/2007 bietet sie die Möglichkeit, den Meisterbrief innerhalb von zwei bis maximal drei Jahren zu erlangen. Die gesamte Fortbildung „Meister in Teilzeitform“ umfasst einen Zeitraum von 38 Wochen, die auf acht Blöcke aufgeteilt sind. Sie beginnt jeweils zwei Mal pro Jahr. Der erste Kurs startet am 18. September 2006, der zweite am 22. Januar 2007.

Organisation und Führung immer wichtiger
Wie beim Vollzeit-Meister wird neben dem Schwerpunkt auf technologischen Kenntnissen verstärkt auf Organisations- und Führungskompetenzen Wert gelegt. Dies entspricht dem veränderten Anforderungsprofil an Führungskräfte der mittleren Ebene, die seit einigen Jahren in zunehmendem Maße mit komplexen betrieblichen Aufgabenstellungen konfrontiert sind. Dabei müssen sie nicht nur Sachaufgaben, sondern auch Organisations- und Führungsaufgaben, etwa in Projekten, „meistern“.

Die Prüfungen des Meisters in Teilzeitform werden ebenfalls nach der neuen staatlich anerkannten und für diese Fortbildung gültigen Prüfungsordnung vorgenommen. Insgesamt dreimal wird der vermittelte Stoff abschnittsweise abgefragt.

Neben den fünf schriftlichen Prüfungen in den fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen müssen Situationsaufgaben im Bereich „Führung und Organisation“ und „Papiertechnologie“ bewältigt werden. Dies entspricht stärker als bisher der betrieblichen Praxis: Häufig sind hier technische mit organisatorischen und personellen Fragestellungen verknüpft. Für diese komplexen Aufgaben wird eine entsprechende Zeit gewährt. Jeweils mindestens drei Stunden gibt es dafür.

Prüfungen werden der Praxis gerecht
Weiter sieht die Fortbildung „Teilzeit-Meister“ eine Projektarbeit im Bereich der Spezialisierungsgebiete vor: In ihr soll der künftige Meister beweisen, dass er eine komplexe betriebliche Aufgabenstellung eigenständig bearbeiten kann. Das Ergebnis dieser Arbeit muss er dem Prüfungsausschuss präsentieren. Im Anschluss stellt er sich in einem Fachgespräch weitergehenden Fragen – auch dies entspricht der Prüfung bei der Vollzeit-Fortbildung. Auch die möglichen Qualifikationsschwerpunkte sind gleich: „Grafische Papiere“, „Technische Papiere und Spezialpapiere“, „Verpackungspapiere, Karton und Pappe“, „Hygienepapiere“ und „Zellstoff“.

Durch die Projektarbeit können die Prüfungsteilnehmer ihre eigenen betrieblichen Tätigkeitsschwerpunkte in die Prüfung mit einbringen und damit zeigen, dass sie im betrieblichen Alltag eigenverantwortlich handeln können.

Voraussetzung zur Teilnahme an der Prüfung ist bei beiden Fortbildungen zum Meister, sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit, der Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf, der der Papier erzeugenden Industrie zugeordnet werden kann und eine mindestens einjährige einschlägige Berufspraxis oder eine vergleichbare Qualifikation.

Weiterqualifizierung möglich
Mit dem Erwerb des Meisterbriefs ist es zudem seit diesem Jahr für die Besten möglich, an einer Universität in Baden-Württemberg oder etwa der Berufsakademie Fachrichtung Papiertechnik Karlsruhe ein Studium zu beginnen. Dies gilt auch für den Vollzeit-Meisterkurs.

Die neu gestaltete Fortbildung in Teilzeit bietet zahlreiche Vorteile:

· Flexibilität für das Unternehmen und den Teilnehmer

· Sofortige Umsetzbarkeit des neu erworbenen Wissens schon während des Verlaufs der Ausbildung

· Schrittweise Erfolge des Teilnehmers durch drei Prüfungszeitpunkte

· Gleiches Qualitätsniveau durch Anwendung der neuen Prüfungsordnung zum Industriemeister Papiererzeugung wie beim „Vollzeit-Meister“

· Möglichkeit des Studiums nach erfolgreichem Absolvieren der Meisterschule

Mit diesem Angebot ermöglicht die Papiermacherschule der Industrie, ihren Führungsnachwuchs ohne eine lange dauernde Freistellung der Mitarbeiter zu qualifizieren und trägt somit mit einem weiteren Baustein zur Zukunftssicherung der Papierindustrie bei.