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Europaweit anerkannt

Die deutsche Industriemeisterausbildung ist jüngst international erheblich aufgewertet worden. Darüber konnten sich auch fünfzig neue Meister Papiererzeugung und Papier- und Kunststoffverarbeitung freuen.

Lilian Eckerle

Kurz vor den Sommerferien verabschiedete die Papiermacherschule Gernsbach – Schulzentrum Papiertechnik die Meisterausbildungskurse Papiererzeugung und Papier- und Kunststoffverarbeitung.

„Der Erfolg hat viele Väter“, so begann Schulleiter Oberstudiendirektor Jürgen Gerstner seine Abschlussrede, bedankte sich bei allen Beteiligten und beglückwünschte die neuen Industriemeister zu ihrem Erfolg.

Die Meisterausbildung sei mit sehr hohen Anforderungen verbunden und dies zeige sich auch darin, dass von insgesamt 50 Absolventen leider vier einige Teile der Prüfung wiederholen müssten.

Aber der Wert dieses Titels sei inzwischen auch europaweit anerkannt.

Während der Meistertitel bisher nur in Deutschland und der Schweiz problemlos Anerkennung fand, sei er in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Finnland oder Großbritannien, unbekannt gewesen. Die Vergleichbarkeit von Bildung möglich zu machen, war deshalb auch das Ziel der EU-Kommission im Jahr 2008. Sie schuf die Grundlage für einen europäischen Qualifizierungsrahmen (EQR) – eine Art Übersetzungshilfe – und machte damit Abschlüsse in den verschiedenen europäischen Ländern transparent. Ausschlaggebend seien nun Lernergebnisse und nicht mehr nur die Ausbildungsdauer. Die Kommission legte acht Niveaustufen fest, in denen je drei Bereiche – Kenntnisse, Fertigkeiten, Kompetenzen – definiert wurden. Während in Niveaustufe eins zum Beispiel der Hilfsarbeiter zugeordnet werden könne, sei für die Niveaustufe acht eine Promotion erforderlich.

Erst im Frühjahr 2012 wurde für den deutschen Qualifizierungsrahmen (DQR) ein Kompromiss erzielt, der die berufliche Bildung erheblich aufwertet. Der deutsche Industriemeister findet sich nun in Stufe sechs wieder. Konsequenzen habe dies laut Gerstner eigentlich nicht, zumindest keine finanziellen. Es sei aber jetzt die Möglichkeit gegeben, im Meisterbrief durch den Vermerk „EQR 6“ eine internationale Einstufung zu erkennen. Die Qualität einer deutschen Industriemeisterausbildung sei so international anerkannt und geschätzt.

Jürgen Gerstner appellierte zum Schluss an die Meister sich weiterzuentwickeln. Die Fortbildungsakademie in Gernsbach biete hierfür eine Fülle an Möglichkeiten.

Breiter Einsatzbereich
Axel Stengel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums, schloss sich diesen Worten an. Die neuen Meister erwarte nun ein breiter Einsatzbereich in der Papierindustrie. Es gebe zwar strukturelle Probleme, aber das Vertrauen der Investoren in die Papierindustrie sei gegeben. Noch stehe sie an Nr. 1 in Europa und auf dem vierten Platz in der Welt. Die Papierindustrie erwarte von den Meistern, dass sie nicht stehen bleiben. Es seien oft schwierige Entscheidungen notwendig und dafür sei es unumgänglich Führungseigenschaften zu entwickeln.

Mit den besten Wünschen für die Zukunft überreichte er als Anerkennung für besonders gute Leistungen den Meisterbecher an Christopher Oheim (Schumacher Packaging, Schwarzenberg), Martin van Bracht (Papierwerke Lenk, Kappelrodeck) sowie Andreas Wittig (Smurfit Kappa Rheinwelle, Kreuzau).

Duale Ausbildung hat hohe Qualität
Als Vertreter der Fachschüler dankte Thorsten Berg (T6) für zwei reibungslose Schuljahre dem Kollegium der Schule sowie der Hausleiterin des Papiermacherhauses Ute Prechl. Die Unterbringung gleiche der in einem Sterne-Hotel – nur leider ohne Minibar – und die Verpflegung sei so perfekt gewesen, dass Hose und Gürtel schonungslos die Wahrheit sprächen. Insgesamt herrsche unter den Fachschülern eine gewisse Wehmut, denn so schwer die beiden Jahre gewesen seien, sie blieben doch in guter Erinnerung.

Zum Schluss betonte Alfons Moritz (Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung der IHK Karlsruhe) noch einmal die Bedeutung der internationalen Anerkennung des Meistertitels. Die deutsche Ausbildung im dualen System habe höchste Qualität, sei in Europa bisher aber noch zu wenig bekannt.

Alfons Moritz und Jürgen Gerstner überreichten schließlich den Meistern ihre Urkunde.

Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Veranstaltung durch Mitglieder des Gernsbacher Sinfonieorchesters.