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Erfolgreich Nachwuchskräfte anwerben

Betriebe haben zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Bewerber für eine Ausbildungsstelle zum Papiertechnologen in ausreichender Zahl zu finden. Wie sind die Rahmenbedingungen der Nachwuchsgewinnung, und welche Wege versprechen Erfolg?

Dipl. Betriebsw./Dipl. Päd. Thomas Müller Bildungsakademie Papier (BIP)

Immer mehr Schulabgänger beginnen ein Studium. Im Jahr 2015 waren es 60 Prozent. Und die Zahl der nicht-studienberechtigten Schulabgänger wird bis zum Jahr 2025 um 18,4 Prozent zurückgehen.

Die Anzahl der potenziellen Auszubildenden wird also nicht nur für die Papierindustrie, sondern für alle Branchen in
den nächsten Jahren dramatisch sinken.

Außerdem steigen die Anforderungen an die Qualifikation der Bewerber. Die zunehmende Automatisierung im Zuge der Industrie 4.0 schraubt die Anforderungen an den Arbeitsplätzen immer mehr in die Höhe. Arbeitsplätze für An- und Ungelernte fallen dagegen kontinuierlich weg. Sehr wahrscheinlich wird in Zukunft die Zahl der qualifizierten Arbeitskräfte, aber auch der Meister Papiererzeugung und der Papieringenieure zunehmen.

Sehr niedrige Abbrecherquote

In ihren Bemühungen, Nachwuchs zu gewinnen, konkurriert die Papierindustrie regional in vielen Fällen mit anderen Branchen. Zudem sind in den Betrieben teilweise nur begrenzte Kapazitäten für die Nachwuchsgewinnung vorhanden. Dennoch verzeichnet die Papierindustrie seit Jahren eine konstante Ausbildungsquote von mehr als 4,5 Prozent. Darüber hinaus ist gegenüber anderen Branchen die Abbrecherquote und die Durchfallquote bei den Papiertechnologen mit drei bis fünf Prozent sehr niedrig – ein Erfolg aller beteiligten Institutionen.

Was bei der erfolgreichen Nachwuchsgewinnung zu berücksichtigen ist: In Deutschland bevorzugen 57,2 Prozent der Bewerber einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich. Den technischen Bereich nehmen nur circa 20 Prozent der Schulabgänger ins Visier. Stellt man Jugendlichen die Frage, was ihnen wichtig an einem Ausbildungsplatz ist, so steht das Betriebsklima und die Übernahme nach der Ausbildung im Vordergrund. Danach folgen Faktoren wie die Abwechslung des Aufgabenfeldes, die Karrierechancen und eine hohe Ausbildungsvergütung.

Ausbildung relativ gut bezahlt

Gerade mit der Übernahme nach der Ausbildung kann die Papierindustrie Bewerber für eine Ausbildung motivieren. Außerdem setzen ihre Unternehmen die Facharbeiter überwiegend im Rahmen ihres ausgebildeten Berufs ein – im Gegensatz zu einigen anderen Branchen. Auch bezüglich der Ausbildungsvergütung findet sich der Papiertechnologe im oberen Drittel der Ausbildungsberufe wieder – ein weiteres Argument für potenzielle Bewerber.

Sucht man nach dem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Nachwuchsgewinnung, ist der persönliche Kontakt mit den potenziellen Auszubildenden das Schlüsselelement, wie eine Umfrage unter Papiertechnologen am Schulzentrum in Gernsbach ergab. Am besten lernen sich Betrieb und Schüler während eines Praktikums kennen. Eine Anleitung zur Ausgestaltung eines Praktikums sowie zahlreiche weitere Hinweise zur Nachwuchsgewinnung können Unternehmen den Homepages der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) und des Verbandes Deutscher
Papierfabriken (VDP) entnehmen.

Gerade wenn Betriebe nicht so viele Kapazitäten für die Nachwuchsgewinnung
haben, ist es wichtig, entsprechende Schwerpunkte zu bilden. Intensive Kontakte zu weniger Bewerbern scheinen Erfolg versprechender zu sein, als eine breitflächig angelegte Kampagne, die zu viele Ressourcen in den Unternehmen beansprucht. Weitaus nutzbringender ist es, eine breite Palette von begleitenden Werbemaßnahmen ohne großen personellen und finanziellen Aufwand zusätzlich ins Auge zu fassen. Zum Beispiel Kinotrailer, Rundfunkbeiträge, Werbekampagnen in Bussen oder Straßenbahnen; auch der Einsatz des eigenen Produktes Papier verspricht Erfolg, zum Beispiel
indem man regionalen Imbissständen bedruckte Servietten mit den Informationen zum eigenen Betrieb zur Verfügung stellt.

Anstrengungen intensivieren

Im Rahmen der Fachkräftesicherung ist in Zukunft mehr und mehr damit zu rechnen, dass weniger Bewerber und vor allem Bewerber mit einer unsicheren Eignungsprognose den Betrieben zur Verfügung stehen. Betriebe sollten sich darauf einstellen, auf unterschiedlichsten Wegen ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Bewerber müssen unter Umständen auch eine längere Ausbildungszeit in Kauf nehmen, um das Ausbildungsziel Papiertechnologe/-in zu erreichen. Drei Beispiele zur Flexibilisierung der Ausbildung bieten die Abbildungen 1 bis 3 auf der nächsten Seite.

Betrachtet man die aktuellen Zahlen zur Ausbildung in der Papierindustrie, so geben diese zumindest derzeit durchaus Anlass zum Optimismus. Sowohl die Zahlen beim Maschinen- und Anlagenführer, als auch bei den Papiertechnologen/-innen konnten 2016 erneut gesteigert werden. Dies zeigt, dass die Industrie durchaus die Zeichen der Zeit erkannt hat und ihre Wettbewerbsfähigkeit durch vermehrten Einsatz qualifizierter Fachkräfte auch in Zukunft sichert. Auch die Zahlen bei der Fortbildung zum Industriemeister Papiererzeugung zeigen, dass ein hoher Ersatzbedarf hinsichtlich ausscheidender Führungskräfte besteht.

Auch die Anfängerzahlen der Studentinnen und Studenten des Dualen Studiengangs der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe/Gernsbach nahmen 2016 wieder zu.

Fazit: Die Zeiten für die Nachwuchsgewinnung werden zunehmend schwieriger. Der Wettbewerb um Bewerber ist in vollem Gange. Die Anstrengungen auf dem Gebiet der Nachwuchsgewinnung müssen intensiviert werden, um auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie abzusichern. Gemeinsam gehen Betriebe und Verbände der Papierindustrie hierzu neue Wege. Unterstützung geben auch die Mittel zur Nachwuchsgewinnung unter www.vdp-online.de / www.vap-online.de


Der Wettbewerb um junge Talente hat zugenommen. Die Papierindustrie kann aber mit einigen Faktoren punkten.