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Einsatz für die zukünftigen Fachkräfte

Eine Rekordbeteiligung verzeichnete das diesjährige Treffen der Ausbilderinnen und Ausbilder für Papiertechnologen sowie Maschinen- und Anlagenführer Anfang Oktober im Papierzentrum. Im Blickpunkt stand in diesem Jahr die Kooperation von Schule und Betrieben. Ein neues Workshop-Konzept ermöglichte einen noch tiefer gehenden Austausch.

VM

Im Hinblick auf einen drohenden Fächkräftemangel müsse die Ausbildung noch wichtiger genommen werden, betonte der Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums Stephan Meißner bei seiner Begrüßung der Teilnehmer des Ausbildertreffens. Die Altersstrukturumfrage der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der deutschen Papierindustrie (VAP) habe gezeigt, dass es nicht gelungen sei, für die derzeit in den Ruhestand gehenden „Babyboomer“ entsprechend Nachwuchskräfte zu gewinnen. Gerade im Hinblick auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung appellierte er an die Unternehmen in die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Maschinen zu investieren. Den Ausbildern komme eine wichtige Rolle zu, sie seien Spezialisten, wenn es um Rekrutierung und Betreuung der Auszubildenden gehe.

Content-Management-System geplant

Matthias Walter, Leiter des Schulzentrums Papiertechnik, sah das Ausbildertreffen als Chance, die duale Kooperation, also die Zusammenarbeit von Schule und Betrieben, zu verstärken, um gemeinsam an den Themen der Zukunft zu arbeiten. „Die Schule hat einen Dienstleistungsauftrag für die Industrie, dementsprechend wollen wir uns positionieren“ sagte er. Die Ausstattung der Schule mit Lehrern sei gut, fünf neue Kollegen und eine Kollegin seien eingestellt worden. Für das geplante Digitalisierungsprojekt von Schule, Papierzentrum und DHBW habe man einen kompetenten Partner gefunden. Entwickelt werden soll ein Content-Management-System, also ein Intranet, auf das alle Beteiligten, auch alle Schülerinnen und Schüler, zugreifen können. Matthias Walter verspricht sich davon eine erhebliche Verbesserung der Zusammenarbeit.

Fünf parallele Workshops

Am Nachmittag des Ausbildertreffens gab es fünf Workshops, moderiert von Lehrerinnen und Lehrern sowie dem Leiter des Schulzentrums Papiertechnik. Alle Ausbilderinnen und Ausbilder nahmen, jeweils in einer Kleingruppe, hintereinander an allen Workshops teil und konnten sich so zu den verschiedenen Themen informieren und den Vertretern der Schule ihre Rückmeldung und Anregungen geben. Themen waren im

  • Workshop 1: Didaktik Maschinen- und Anlagenführer
  • Workshop 2: Didaktik Papiertechnologe
  • Workshop 3: Neue Prüfungsordnung Papiertechnologe
  • Workshop 4: Lernortkooperation Schule – Betrieb
  • Workshop 5: Duales Berufskolleg.

Ziel der Arbeit in Workshops war es, den Unterricht noch besser an die Anforderungen der Betriebe anzugleichen. Die Ausbilder erfuhren unter anderem etwas über die didaktische und pädagogische Arbeit an der Schule, den Aufbau einer Unterrichtseinheit sowie den Einsatz und Umgang mit Medien im Unterricht. Wünsche und Anregungen wurden nicht nur in Diskussionen ermittelt, sondern auch mittels Fragebögen und, bei Workshop 4, in Form einer Ratingkonferenz, die die quantitative Einschätzung der Teilnehmer sichtbar machte. Die Ergebnisse aller Kleingruppen der Workshops wurden zusammengetragen und am nächsten Tag allen Teilnehmenden vorgestellt sowie Umfrageergebnisse an die Ausbildungsbetriebe gesandt.

Alle hatten zudem, auch jeweils in Kleingruppen, die Gelegenheit, an einer Führung durch das Papiermacherhaus teilzunehmen. Dort konnten sie auch einen neuen Fitnessraum in Augenschein nehmen. Auf das leistungsfähigere W-Lan im Papierzentrum waren sie schon beim Einchecken am Vorabend aufmerksam gemacht worden.


Teilnovellierung der Prüfungsordnung

Seit dem 1. August 2019 ist eine Teilnovellierung der Prüfungsordnung für Papiertechnologen in Kraft. Dr. Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung erläuterte ausführlich die Neufassung. Diese sei aufgrund technologisch-wirtschaftlicher Veränderungen notwendig geworden. Dazu war in den Jahren 2017/18 eine Voruntersuchung durchgeführt worden. Die Ergebnisse: Es gab positive Rückmeldungen zur gestreckten Abschlussprüfung. In der Gewichtung heruntergesetzt wurden die Prüfungsbestandteile zur Instandhaltung und zum Nass- und Trockenlabor, da integrierte Messsysteme und automatisierte Messstraßen immer mehr Labortätigkeiten übernehmen. Deutlich aufgewertet wurde dagegen die Durchführung einer betrieblichen Aufgabe, deren Dokumentation und das auftragsbezogene Fachgespräch. Diese Aufgabe trägt bisher zehn, künftig aber 25 Prozent zum Gesamtprüfungsergebnis bei.

Die Teilnovellierung betrifft alle Azubis, die am 1. August 2019 neu angefangen haben. Für alle älteren Ausbildungsverhältnisse gelten die Regelungen der bisher gültigen Verordnung vom 20. April 2010. Im Rahmen eines der am Nachmittag
des Ausbildertreffens angebotenen Workshops konnten die Teilnehmer anhand der alten und der neuen Prüfungsordnung die wesentlichen Änderungen in Kleingruppen herausarbeiten.