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Einblick in technische Berufe

Am Girls“Day haben Mädchen die Möglichkeit, technische Berufe und Betriebe, in denen hauptsächlich Männer arbeiten, einmal aus der Nähe kennenzulernen. Viele nutzen die Chance und erhalten dadurch ganz neue Perspektiven für ihre Berufswahl.

VM

Für junge Menschen ist es nicht einfach, sich nach der Schule für einen Beruf zu entscheiden. Oft fehlen Informationen, was es alles gibt, oder Erfahrungen, wofür man eigentlich geeignet wäre. Noch schwieriger ist es für Mädchen, fehlen doch die Vorbilder von berufstätigen Frauen in den unterschiedlichsten Bereichen. Und so beschränken sich Mädchen bei der Berufswahl auf weniger Berufe als Männer. Selten wählen sie einen technischen Beruf. Damit sich dies ändert, wurde vor gut zehn Jahren der Girls“Day eingeführt.

Am 26. April 2012 können Mädchen in Berufe aus Technik, IT, Naturwissenschaft und Handwerk hineinschnuppern. Sie sehen große Maschinen von Nahem, bekommen die Produktion erklärt, dürfen unter Umständen selber löten oder am Computer arbeiten. Zentrales Aktionsmodul ist die Internetplattform www.girls-day.de. Hier registrieren Unternehmen und Einrichtungen ihre Aktionen zum Mädchen-Zukunftstag. Eine ausführliche Anleitung sowie ein kostenloses Online-Tool helfen bei der Verwaltung der Girls“Day-Angebote. Mädchen finden über die Onlinesuche auf www.girls-day.de passende Angebote in ihrer Region und können sich für eine Aktion ihrer Wahl anmelden. Zu sehen sind dort auch Multimedia-Berichte von Mädchen, die sie nach ihrem Girls“Day angefertigt haben. Mit über einer Million Mädchen, die bundesweit am Mädchen-Zukunftstag teilgenommen haben, ist er die weltweit größte Berufsorientierungsinitiative für Mädchen. Nach Auskunft der Bundesweiten Koordinierungsstelle haben zehn Prozent aller Betriebe, die am Girls“Day eine Aktion anbieten, bereits Teilnehmerinnen des Aktionstags eingestellt und rund 40 Prozent aller teilnehmenden Mädchen möchten ein Praktikum in dem Betrieb machen, in dem sie den Girls“Day verbracht haben.

In der Papierindustrie sind die Erfahrungen unterschiedlich. Einige Unternehmen sehen aus Mangel an interessierten Mädchen von einer Teilnahme ab, die ja auch mit einigem Aufwand verbunden ist. Andere machen regelmäßig mit und verzeichnen eine positive Resonanz.

Beruf des Papiertechnologen bekannt machen
„Auch Stora Enso Kabel wird sich in diesem Jahr wieder am Girls“Day beteiligen“, erklärt Ausbildungsleiter Lars Post. „Wir wollen auch ein bisschen Werbung machen, den Beruf des Papiertechnologen zu ergreifen. Er ist ja nur bei wenigen bekannt“. Die Bewerberzahlen seien stark gesunken und die Konkurrenz durch andere Industriebereiche in der Region nahe Dortmund sehr groß. Und: „Wir haben absolut zu wenige weibliche Bewerberinnen im technisch-gewerblichen Bereich gegenüber der Gruppe der männlichen“, sagt Post. Den Girls“Day im Betrieb wird ein Meister organisieren, der verschiedene Stände für die Mädchen vorbereitet. Dort dürfen sie zum Beispiel Schaltungen im Elektrobereich verdrahten, den Faserbrei selbst anfassen und bekommen die Rohstoffe gezeigt. Außerdem gibt es einen Betriebsrundgang, bei dem auch der Holzplatz besichtigt wird.

Stora Enso Kabel produziert mit rund 600 Mitarbeitern an zwei Papiermaschinen qualitativ hochwertige, gestrichene Druckpapiere in Rolle und Format, die vor allem bei der Herstellung von Publikums- und Fachzeitschriften, Versandhauskatalogen, Zeitungsbeilagen und anderen Werbedrucksachen, aber auch bei Schulbüchern, Prospekten, Bildbänden, Wandkalendern und Geschäftsberichten eingesetzt werden. Die jährliche Produktionskapazität beträgt 495 000 Tonnen. Das Werk bildet Papiertechnologen, Industriemechaniker, Elektroniker und Mechatroniker aus.

Alle Plätze werden besetzt
UPM Schongau lädt regelmäßig Mädchen zum Girls“Day ein. Das Werk in Oberbayern am Lech produziert aus Altpapier Zeitungsdruckpapiere und hoch füllstoffhaltige Naturpapiere für Zeitungen, Zeitungsbeilagen, Anzeigenblätter, Prospekte, Illustrierte und Kataloge. Bei rund 500 Mitarbeitern bildet das Werk dreißig junge Menschen aus, davon neun Mädchen. Drei von ihnen lernen Industriemechanikerin, zwei Elektronikerin und vier kaufmännische Berufe. UPM Schongau steht in der Datenbank der Koordinierungsstelle und bekommt darüber die Mädchen, im Alter zwischen 14 und 16 Jahren vermittelt – bei jüngeren gäbe es Probleme mit der Arbeitssicherheit, wie Ausbildungsleiter Wolfgang Nass erklärt. „Zwischen 14 und 16 sind die Mädchen in der siebten Klasse, das passt gut, denn in der achten machen sie ein Praktikum. Beim Girls“Day können sie sich also nach einem Praktikumsplatz umschauen“, meint er. UPM Schongau bietet circa 13 Plätze an, in vier verschiedenen Ausbildungsberufen: Papiertechnologe, Industriemechaniker, Elektroniker, und IT-Fachinformatiker. Alle Plätze werden besetzt. Am Girls“Day betreuen die jeweiligen Fachausbilder sowie zwei Azubis die einzelnen Gruppen der Mädchen. Die „Elektronikerinnen“ und die „Industriemechanikerinnen“ bekommen in der jeweiligen Lehrwerkstatt die Grundzüge des Berufs gezeigt, und können dann selber „ans Werk gehen“. Die „Elektronikerinnen“ löten Platinen und stellen Verlängerungskabel selbst her. Die „Industriemechanikerinnen“ arbeiten praktisch an den einzelnen Maschinen, sie fräsen, drehen und schweißen. Als eigenes Werkstück schweißen sie einen Paradiesvogel aus vorbereiteten Einzelteilen.

Die „IT-Fachinformatikerinnen“ bekommen Netzwerktechnik und IT-Technik erklärt. Sie können sich am PC mit den gebräuchlichen Grundprogrammen vertraut machen, und einen alten, vom Unternehmen ausrangierten PC mit nach Hause nehmen. Die „Papiertechnologinnen“ bekommen zuerst an der Maschine und in den Rohstoffabteilungen den Herstellungsprozess erläutert. Danach stellen sie im Labor eigenes Papier her und bestimmen dessen Werte. Auch sie bekommen ein kleines Präsent. „Die Resonanz auf den Girls“Day ist gut,“ sagt Ausbildungsleiter Wolfgang Nass. „Es haben sich auch schon Mädchen danach um einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz beworben“.