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Ein Beruf für die Papierindustrie mit Aufstiegsmöglichkeiten

Der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf eines Maschinen- und Anlagenführers hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr in der Papierindustrie etabliert. Viele Firmen der Papiererzeugung und der Papierverarbeitung bieten jungen Menschen – Jungen sowie Mädchen – mit dieser grundlegenden Ausbildung einen Einstieg in das Berufsleben.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

Dabei weisen die Schwerpunkte des Berufes eine große Bandbreite auf. Die ausgelernten Maschinen- und Anlagenführer – in der Praxis sehr oft kurz MAF genannt – arbeiten in vielen Bereichen der Produktion und Verarbeitung von Papier.

Vielseitiger Einsatz in der Praxis

Sie bedienen in der Papiererzeugung, speziell in den Ausrüstungsbereichen, die Kalander, die Rollenschneidmaschinen oder die Querschneider inklusive der Packanlagen.

Noch vielseitiger ist ihr Einsatz in der Papierverarbeitung. Sie arbeiten an Anlagen für die Herstellung von Hygienepapierprodukten wie Toilettenpapier, Haushaltsrollen, Papierhandtücher, Taschentücher sowie Servietten. Auch haben sie einen festen Platz an Druckmaschinen, Stanzen und Falt- und Klebemaschinen für die Herstellung von Verpackungen aus Wellpappe oder Karton eingenommen. Hier beginnt ihr Einsatz etwa schon an der Wellpappenanlage. Ebenso bedienen sie in Eigenverantwortung Maschinen und komplette Anlagen für die Herstellung von Briefumschlägen, Schulheften und weiteren Druckerzeugnissen.

Produktionsanlagen einstellen, bedienen und prüfen

Sie übernehmen auch die verantwortungsvollen Aufgaben beim Einrichten, Bedienen und Kontrollieren von Druckmaschinen und vollautomatischen Kuvertiermaschinen. Die nicht vollständige Aufzählung zeigt deutlich die Vielfalt dieses Berufsbildes in der Praxis.

Dies ist auf jeden Fall ein Beleg für die Attraktivität dieser Ausbildung. Ein ausgebildeter MAF ist in der Lage, Produktionsanlagen in der Industrie einzustellen, zu bedienen und zu prüfen. Er übernimmt Verantwortung für Leistung der Maschine und Qualität des fertigen Produkts. Er führt Wartungsarbeiten durch, tauscht Verschleißteile aus, stellt Störungen an Maschinen fest und gibt die richtigen Informationen für deren Beseitigung weiter.

Der MAF arbeitet in der Regel in einem Fertigungsteam, in das er voll integriert ist und in dem man sich gegenseitig unterstützt und fordert. Sehr oft spricht der MAF auch von „seiner Maschine“, die er beherrscht.

Theoretische Ausbildung in Gernsbach

Der Grundstein für seine aufgeführten Leistungen im Berufsalltag liegt in der fundierten Ausbildung zum MAF auf der Basis des Berufsbildungsgesetzes. Für die Papierindustrie hat sich dabei die Schwerpunktorientierung Druckweiterverarbeitung und Papierverarbeitung hundertprozentig bewährt. Hier ist klar der Inhalt, die Umsetzung plus Dauer in der theoretischen sowie praktischen Ausbildung festgelegt. Der Azubi benötigt für die Ausbildung mit erfolgreichem Abschluss zwei Jahre. Dafür besucht er für die Theorie die passende Berufsschule und für die Praxis ist bekanntlich sein Ausbildungsbetrieb zuständig. Die Ausbildungsinhalte sind auf die späteren Aufgaben in der Praxis ausgerichtet.

Die Berufsschule im Papierzentrum Gernsbach hat sehr zeitig die Signale und das Interesse der Industrie aufgenommen und gemeinsam an der Umsetzung dieser zweijährigen Ausbildung gearbeitet. So werden mittlerweile seit über zehn Jahren erfolgreich Maschinen- und Anlagenführer in Gernsbach ausgebildet. Die Azubis erfahren während des Blockunterrichts alle wichtigen Inhalte vom Material Papier, Karton und Wellpappe bis hin zum fertigen Produkt. Dabei werden einerseits die Bestandteile sowie Zusammensetzungen der Materialien betrachtet und anderseits werden die Prozesse der Erzeugung und Verarbeitung im Detail gelehrt. Das Material sowie die Eigenschaften werden im Laborunterricht noch genauer und intensiver „unter die Lupe“ genommen, um das Verständnis für das Material und sein Verhalten im Produktions- beziehungsweise Verarbeitungsprozess zu vertiefen und zu verstehen.

Weitere Lehrinhalte beschäftigen sich mit den Grundlagen der Metallbearbeitung, der Steuerungstechnik sowie Instandhaltung. Natürlich stehen im Lehrplan auch die notwendigen Basisfächer, wie Mathematik, Physik und Deutsch.

Die Azubis lernen in selbstständigen MAF-Klassen und nutzen somit den
intensiven Wissensaustausch mit den Lehrkräften sowie untereinander. Die Schule bietet auch gezielte Unterstützung bei entsprechender Nachhilfe an. Der Azubi verbringt im Jahr knapp 15 Wochen aufgeteilt auf mehrere Blockzeiten in Gernsbach. Das Papierzentrum gewährleistet die Unterbringung, Verpflegung und die Betreuung der Azubis. Somit können die jungen Leute gemeinsame Freizeitaktivitäten planen und durchführen. Auch das gemeinsame Aufarbeiten des Lernstoffes sowie das Lernen für die nächste Klassenarbeit gehören dazu. Aktuell starten im September wieder, wie in den vergangenen Jahren, mehr als 70 junge Berufseinsteiger, aufgeteilt in drei Klassen, die Ausbildung.

Anschlussausbildung
zum Papiertechnologen …

Nach der Ausbildung ist bekanntlich nicht Schluss mit dem Lernen im Berufsleben. Qualifizierte Auszubildende mit guten Leistungen und Potential können fortführend einen weiteren
Berufsabschluss erlangen. Sie können nach der MAF-Ausbildung zwei Lehrjahre zum Papiertechnologen anfügen. Die theoretische Berufsschule dazu findet in Gernsbach statt. Damit ist ein interessanter Einstieg – gerade für „Spätzünder“ – geschaffen.

… mit dem dritten Lehrjahr
zum Packmitteltechnologen

Derzeit nicht in Gernsbach, aber in den Berufsschulen, welche den Packmitteltechnologen anbieten, kann diese Ausbildung mit dem dritten Lehrjahr abgeschlossen werden. Die beiden ersten MAF-Lehrjahre werden als Ausbildungszeit zum Packmitteltechnologen anerkannt.

Insgesamt zeigen diese Optionen einen interessanten Weg der weiterführenden Berufsausbildung in der Papierindustrie auf.