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Die Besten ziehen Bilanz

Bei manchen Prüfungsfragen mussten auch sie erst einmal schlucken, obwohl sie den Meisterkurs besonders erfolgreich abschlossen. Die Klassenbesten sprachen mit der Papier + Technik-Redaktion über die vergangenen elf Monate.

Verena Manek

Insgesamt 16 Stunden Prüfung brachten die Absolventen des Meisterkurses hinter sich. Angefangen hatte es schon im März mit den Fächern Rechtskunde, Arbeitssicherheit sowie Berufs- und Arbeitspädagogik, die für die Ausbildereignungsprüfung abgefragt wurden. Im Juli kam dann, in diesem Sommer auch wortwörtlich, die heiße Phase. Die angehenden Meister absolvierten an drei Tagen jeweils acht schriftliche Prüfungen. In Fächern wie den Naturwissenschaften Mathematik, Physik, Chemie, aber auch zum Beispiel Fertigungstechnik, Wirtschaftskunde und Menschenführung. Nach einer Woche Urlaub, die ihnen zustand, da sie vorher in ihren Ferien eine Woche lang an einer BG-Schulung teilnahmen, kamen dann noch zwei mündliche Prüfungen: eine zum Thema Menschenführung, außerdem musste eine betriebliche Situationsaufgabe gelöst werden.

Notenschnitt von 1,15
Michael Braun, Stefan Dziarnowski, Stefan Gröbe, Florian Kuntz und Oliver Sassen haben es besonders gut „gemeistert“ – obwohl auch sie teilweise unter Prüfungsangst litten oder zumindest angespannt waren. „Zwar haben wir ja vorher auch schon Vorträge gehalten, aber in der Prüfung weiß man eben, es geht um die Wurst“, erklärt Florian Kuntz. Denn während das Schulzeugnis die Leistungen des ganzen Jahres widerspiegelt, berücksichtigt das IHK-Zeugnis nur die Noten der Prüfungen. Und die legten die Besten der beiden je 24 Schüler starken Meisterklassen mit einem bemerkenswerten Notenschnitt von 1,15 ab.

Im Crash-Kurs Lücken erkannt
Wie schafft man es, so gut abzuschließen? Er sei mit Sicherheit nicht mit dem Ziel nach Gernsbach gekommen, Klassenbester zu werden, betont Stefan Dziarnowski. Aber, „wenn alles gut läuft, dann macht man weiter“. Bereits vor zehn Jahren, 1995, schloss er seine Ausbildung zum Papiermacher ab. Das Schulwissen hatte der jetzt Dreißigjährige nicht mehr so parat wie andere, die erst vor kürzerer Zeit ihre Ausbildung beendeten. In Gernsbach nahm er deshalb an einem Meister-Check-up und einem Crash-Kurs teil. Dabei merkte er, wo er Lücken hatte, nahm daraufhin seine alten Ordner wieder hervor und wiederholte die Grundlagen schon vor Beginn der Meisterausbildung – um dann voll einsteigen zu können.

Gute Noten motivieren
Während des Kurses ist stetiges Lernen das Erfolgsrezept. „Ich habe das ganze Jahr immer mitgearbeitet, und dann kurz vor der Prüfung noch einmal alles ins Gedächtnis gerufen“, meint Michael Braun. Außerdem wirken gute Noten auch motivierend. „Wenn man immer Einser schreibt, dann ist man mit ’ner Zwei nicht mehr so zufrieden“, fügt er hinzu. Stefan Gröber weist darauf hin, dass es zwischendurch immer wieder Klausuren gab. „Zum Ende hin ist es ein Auffrischen der ganzen Themengebiete.“

Volles Programm
Am Anfang kamen den angehenden Meistern die elf Monate in Gernsbach lang vor, „zum Schluss ging es immer schneller“, so ihre Empfindung. Schließlich absolvierten sie ein volles Programm: 40 Stunden Unterricht in der Woche, teilweise auch abends noch lernen, je nach Typ allein oder auch in Gruppen. Da jede Meisterklasse in einem Haus zusammenwohnte, war das kein Problem. Sie konnten auch abends noch über den Unterrichtsstoff sprechen, nachfragen oder Probleme diskutieren.

Die Unterbringung in Einzelzimmern in den direkt am Wald gelegenen Häusern, volle Verpflegung – das sind ideale Bedingungen, um auch ein großes Lernpensum zu schaffen. Highlight waren zwischendurch noch Exkursionen nach München und in den Raum Düren mit Besuch verschiedener Papierfabriken sowie zur Zellcheming.

Belohnung: Australien-Reise
Trotz des erfolgreichen Abschneidens sind die fünf jetzt „froh, dass es dann doch vorbei ist“. Schließlich haben einige Familie, manche mussten am Wochenende lange Fahrtzeiten nach Hause in Kauf nehmen. Viel Freizeit blieb da nicht. Aber auch ein bisschen Wehmut kommt auf. „Man vermisst dann wohl schon den Zusammenhalt. 24 Leute in einem Haus, das schweißt zusammen“, bemerkt Michael Braun.

Nach Feiern, offizieller Verabschiedung und Zeugnisübergabe fahren alle am Tag nach der letzten Prüfung nach Hause. Einige arbeiten schon am nächsten Werktag wieder, andere gönnen sich erstmal Urlaub. Der reicht von einer Woche zu Hause, um „alles wieder zu richten“ bis zur vierwöchigen Australienreise.