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Crashkurs Papiertechnik

Im Februar waren Verpackungsstudenten der Beuth Hochschule für Technik Berlin zu Gast im Papierzentrum Gernsbach. Während einer anspruchsvollen Seminarwoche lernten sie viel über Theorie und Praxis der Papierherstellung.

Susanne Kleppel, Liane Miller

Finanziert wurde die Fahrt der Studenten und Studentinnen des Masterstudiengangs Verpackungstechnik von der Fritz-Landmann-Stiftung. Sie fördert unter anderem Hochschulen und Universitäten mit Laborausstattungen, Lehrmaterialien, Mess- und Prüfgeräten und nicht zuletzt mit Gründungshilfen.

Nach der Theorie ins Labor
An den ersten Seminartagen erfuhren die Studenten etwas über die theoretischen Grundlagen der Papierherstellung: Faserstoffgewinnung, Stoffaufbereitung, Hilfsmittel, Papier- und Kartonerzeugung, Veredelung sowie Weiterverarbeitung und farbphysikalische Grundlagen.

Zur Vertiefung der Theorie folgten drei Tage praktische Übungen in verschiedenen Laboren. Die Studenten unterschieden Faserstoffe mittels chemischer und mikroskopischer Untersuchungen. Beim Thema Stoffaufbereitung konnten sie Büttenpapier von Hand schöpfen und führten die Faserfraktionierung im laboreigenen Refiner durch, um Papiereigenschaften wie das Entwässerungsverhalten in Abhängigkeit vom Mahlgrad zu untersuchen. Mit dem Refinerholzstoff stellten sie verschiedene Papiere in den Blattbildungsanlagen her. Dabei erfuhren sie, was eine Leimung, Füllung und Färbung von Papier bedeutet. Im Anschluss lernten sie die selbst hergestellten Papiere zu prüfen, bestimmten den Aschegehalt, die Bruchdehnung, die Reißlänge und Weiterreißarbeit, die Berstfestigkeit sowie die Wasser- und Ölaufnahme nach Cobb. Zu den Oberflächenprüfungen zählten die Glätte nach Bekk, die Rauigkeit nach Bendtsen, die Rautiefe nach Parker Print Surf und die Oberflächenprofilmessung mit Lasertechnik. Die Bedruckbarkeit von Papieren beurteilten sie mit Hilfe eines Probedruckgerätes und Dennison-Wachstests. Ein wichtiger und für die Studierenden überaus interessanter Teil der Papieruntersuchung war die Farbortbestimmung durch die Messung und Berechnung von Farbsättigungsreihen, durch Farbort- und Differenzmessungen und durch die Ermittlung sowie Unterscheidung von Weißgraden. Eine sinnvolle Ergänzung für die Verpackungsstudenten zur Prüfung von Papier und Karton war die Wellpappenprüfung mittels Kantenstauch-, Flachstauch- und Streifenstauchwiderstand.

Zum Abschluss der Seminarwoche hatten die Studierenden die Möglichkeit, das in Gernsbach ansässige Unternehmen Glatfelter zu besuchen und die Herstellung von Teebeutelpapieren von der Stoffaufbereitung über die Blattbildung bis hin zur Ausrüstung in der Praxis live mitzuerleben. Glatfelter ist Weltmarktführer für Teebeutel, Overlaypapiere sowie international bekannt im Bereich metallisierter Papiere.