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Bewerbermangel verstärkt sich

Immer mehr Betriebe gehen bei der Auszubildenden-Suche leer aus. Das meldete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, DIHK, im März 2012. Geburtenschwache Jahrgänge und mangelhaft qualifizierte Schulabgänger erschweren die Nachwuchssuche.

Thomas Müller

Demografie und Fachkräftemangel träfen die Unternehmen mit voller Wucht, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann im Frühjahr dieses Jahres. Seit dem Jahr 2007 hat sich die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber um 30 Prozent verringert – in den neuen Bundesländern sogar mehr als halbiert. Dabei besitzt die Fachkräftesicherung durch eigene Ausbildung bei den Unternehmen höchste Priorität, wie eine Befragung von 14 500 Unternehmen des DIHK zeigte. Als eine Reaktion auf diese Entwicklung planen die Industrieunternehmen in Deutschland generell eine künftig höhere Übernahmequote: „Für die Jugendlichen werden sowohl die Übergänge von der Schule in die Ausbildung als auch danach in eine berufliche Anstellung sicherer“, fasste Hans Heinrich Driftmann die Entwicklung zusammen. Aber zur Realität auf dem Ausbildungsmarkt gehöre auch „dass zu viele Jugendliche nicht ausbildungsreif sind“, betonte Driftmann. „Drei Viertel der Betriebe geben auch in diesem Jahr an, dass mangelnde Deutsch- und Mathematikkenntnisse oder fehlende Sozialkompetenzen der Bewerber die Ausbildung verhindern oder erschweren.“

Als bildungs- und arbeitsmarktpolitische Lösungsansätze nannte Driftmann die konsequente Verbesserung der Schulbildung, Einführung von Pflichtpraktika in Betrieben während der Schulzeit und eine praxisorientierte Lehrerbildung. Außerdem sind die Koordinierung der zahlreichen Maßnahmen im Übergang zwischen Schule und Ausbildung sowie die Entwicklung attraktiverer Kombinationen aus dualer Ausbildung und Weiterbildung beziehungsweise dualer Studiengänge wichtige Faktoren.

Papierindustrie besetzte mehr Ausbildungsplätze
In der Papierindustrie ist die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber ebenfalls deutlich gesunken. Jedoch ist trotzdem die Zahl der neu besetzten Ausbildungsplätze deutlich angestiegen von 689 auf 766; und damit im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um mehr als elf Prozent. Bei den Papiertechnologen sind es sogar fast 15 Prozent mehr. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe war mit 824 angebotenen Ausbildungsplätzen 2011 wieder um fast elf Prozent höher als im Jahr 2010 (743). Damit sind die Zusagen der Arbeitgeber im Rahmen des Ausbildungspaktes auch von der Papierindustrie zweifellos mehr als erfüllt worden. Es häufen sich jedoch auch in der Papierindustrie die Klagen, dass die Betriebe immer mehr Bewerbungen von Schulabgängern mit mangelnder Qualität bekommen.

Ein Unterschied zu den anderen Branchen ist jedoch der hervorragende Bestand an Facharbeitern, Ingenieuren und Meistern. Aber auch in der Papierindustrie wird sich schon in wenigen Jahren zeigen, dass ein gravierender zusätzlicher Bedarf besteht, wenn starke Rentnerjahrgänge die Betriebe verlassen werden.

Papierzentrum mit breitem Bildungsangebot
Auch das Papierzentrum Gernsbach hat sich auf die veränderten Bedingungen eingestellt. Mit der Einführung der Ingenieurstudiengänge mit den Schwerpunkten Papiererzeugung und Verpackung im Rahmen der Dualen Hochschule sowie dem Angebot flexiblerer Ausbildungsgänge zum Papiertechnologen bietet das Papierzentrum den Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, ihren Fachkräftebedarf auch in Zukunft zu sichern.

Darüber hinaus besteht das Angebot, Mitarbeiter aus Produktion und Ausrüstung durch Fernlehrgänge nachzuqualifizieren. Möglichkeiten zur Umschulung in gesonderten Klassen sowie Stützunterricht während der Ausbildung ergänzen die breite Palette des Bildungsangebotes. Auf diese Weise ist es den Betrieben möglich, sich auf die veränderten Bedingungen des Ausbildungssektors einzustellen.

Wenn sich die Ausbildungssituation in der Papierindustrie im Jahr 2011 auch im Vergleich zu 2010 nicht wesentlich verändert hat, dürfen wir gegenüber den anderen Branchen in unseren Bemühungen Nachwuchs zu gewinnen auf Dauer in nichts nachstehen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sich der „War for Talents“ weiterhin verschärfen. Folglich haben die Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) und der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) mit dem Projekt zur Fachkräftesicherung vielfältige Maßnahmen ergriffen, um junge Leute für den Beruf der Papiertechnik zu gewinnen und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Branche auch in Zukunft zu sichern.