Archiv Forum Bildung

Auch in Zukunft gebraucht

Die demographische Entwicklung wird den Fachkräftemangel verstärken. Junge, gut ausgebildete Ingenieure haben gute Aussichten auf eine Stelle.

Lange Jahre war vom „Ingenieurmangel“ die Rede. Vor allem in der jüngsten Hochkonjunktur wurden Ingenieure dringend gesucht. Aber wie sieht es heute aus, zur Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise, die trotz einiger positiver Meldungen noch nicht vorbei ist?

Verena Manek

Im Frühjahr dieses Jahres sprach der Direktor des VDI, Verband Deutscher Ingenieure, Dr. Willi Fuchs von „einem immer noch stabilen Arbeitsmarkt für technisch Hochqualifizierte, der bis heute der Finanzkrise standhält“. Er führte fort: „Allerdings spüren auch wir die Krise. Die Ingenieurlücke sank im Monat März auf 44 000. Bei einer Arbeitslosenquote von rund zwei Prozent sprechen wir aber nach wie vor von Vollbeschäftigung.“ Auch für August dieses Jahres, auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise, verzeichnete der VDI laut „Ingenieurmonitor“ vom September, noch eine Ingenieurlücke von etwa 27 000 Personen.

Den zukünftigen Bedarf an Ingenieuren lotete eine im Februar 2009 vom VDI in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) angefertigte Studie aus. Die dafür befragten 3900 Unternehmen erwarteten trotz Wirtschaftskrise in den kommenden fünf Jahren eine stabile Ingenieurbeschäftigung. Nur jedes 14. Unternehmen plante Ingenieurstellen abzubauen. Zwei Drittel wollten die Ingenieurbeschäftigung konstant halten und sogar jedes vierte Unternehmen beabsichtigte aufzustocken, „die einzig richtige Strategie“, wie VDI-Direktor Dr. Fuchs sagte. „Denn nach dieser Krise kommt garantiert der nächste Aufschwung. Und wer dann die Auftragseingänge aufgrund fehlender Spezialisten nicht bedient, wird der Konkurrenz nicht standhalten können und deutliche Wettbewerbsnachteile haben.“

Jedes fünfte Unternehmen müsse in den kommenden fünf Jahren Ingenieure ersetzen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Besetzung neuer Ingenieurstellen drohe zu scheitern, denn die Zahl der Ingenieurabsolventen werde bestenfalls reichen, um den entstehenden Ersatzbedarf zu decken. „Seit 2006 haben wir mehr Ingenieure über 50 als unter 35 Jahren. Die demographische Entwicklung verstärkt den Fachkräftemangel“, so Fuchs.

Die VDI/IW-Studie zeige allerdings, dass 75 Prozent der Unternehmen diesen Effekt bisher gering einschätzen. Insbesondere kleinere Unternehmen müssten stärker für die demographische Herausforderung sensibilisiert werden, hieß es beim IW Köln.

Gegenüber der für junge Ingenieure besonders attraktiven Automobilindustrie hatte es die Papierindustrie schon immer schwieriger Nachwuchs zu finden. Die Krise scheint nun zusätzlich junge Menschen von einem Studium der Papiertechnik abzuschrecken, wie die Zahlen der Universitäten zeigen. An der Hochschule München haben in diesem Jahr im 3. Semester nach der Orientierung in Richtung Papiererzeugung 22 Studierende im Studiengang Paper Technology begonnen, im Jahr 2008 waren es 31 und im Jahr davor 43. (Studierende der Fachrichtung Papierverarbeitung sind dabei nicht mitgezählt). „Die Tendenz ist deutlich fallend“, bemerkt Prof. Dr. Stephan Kleemann vom Fachbereich Papiertechnologie. Zu den Berufsaussichten sagt er: „Seit 22 Jahren, so lange verfolge ich dies, haben immer stets alle Absolventen eine Stelle in der Papierindustrie und deren Zulieferindustrien gefunden, selbst jetzt geht es noch recht gut. Normalerweise haben wir einen zwei- bis dreifachen Überhang an offenen Stellen.“ An der TU Darmstadt gibt es im laufenden Wintersemester nur einen Interessenten für die Vertiefungsrichtung Papier. „Gut wären zehn“, meint Prof. Samuel Schabel, der auf Untersuchungen hinweist, nach denen für die Zulieferindustrie und die Papierindustrie zusammen jährlich etwa 80 bis 100 Jung-Ingenieure gebraucht werden.