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„I lost moi Göld“

Schon nach dem zweiten Geschäftsjahr steckte manches Team in den roten Zahlen. Ein ruinöser Konkurrenzkampf setzte ein, die Preise fielen besorgniserregend. – Zum Glück nicht in der Realität, sondern im neuen Planspiel „Papermanager“.

Lilian Eckerle-Dicpetris

Die Teilnehmer sitzen vor dem Brettspiel, vor sich unterschiedlich eingefärbte Chips. Rote stehen für Verbindlichkeiten und die goldenen für Forderungen oder liquide Mittel. Auch die Wert- und Warenflüsse sind anschaulich nachvollziebar, und damit der gesamte Unternehmensablauf einer Papierfabrik. Zwanzig Spieler, Meisterschüler, Studenten, Lehrer und Mitarbeiter von Papierfabriken, spielten erstmals das Planspiel „Papermanager“ an der Schule in Gernsbach.

Papiermarkt wird simuliert
Entwickelt wurde es für die Hochschule München, die Berufsakademie und für die Meisterausbildung in Gernsbach. Planspiele oder auch Unternehmenssimulationen sind interaktive Lehrinstrumente, bei denen die Teilnehmer in bestimmte Rollen schlüpfen.

Angehende Meister und Ingenieure bekommen bei „Papermanager“ die Möglichkeit, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in einem Papierunternehmen besser zu begreifen. Entwickelt wurde das Spiel in einem Projekt, das der Fonds der Papierindustrie LENA (LEhre/NAchwuchs), der Aus- und Fortbildungsstätten unterstützt, finanzierte. Federführend war dabei Dr. Manfred Sargl von der Hochschule München, der auch bei diesem ersten Spiel die Projektleitung innehatte.

In der Simulation konkurrieren mehrere Papierunternehmen auf dem Papiermarkt. Somit wurden fünf Gruppen mit jeweils vier Teilnehmern gebildet, die ein Papierunternehmen über mehrere Jahre managen mussten. Aufgabe des Managementteams war es, das Unternehmen im Laufe der Jahre zum Erfolg zu führen und ganz konkret seinen Wert zu steigern.

Zuvor hatte Dr. Manfred Sargl die Teilnehmer in die Spielregeln und gewisse Grundkenntnisse der Betriebswirtschaft eingewiesen. Das erste Unternehmensjahr spielten alle Teams gemeinsam durch, um den Ablauf und die Grundbegriffe erst einmal kennenzulernen. Mit den Anweisungen des Projektleiters und einem ausführlichen Handbuch begannen sie dann das erste Jahr als „wirkliches“ Unternehmerteam.

Verschiedene Produktarten und Maschinentypen
Sie konnten vier verschiedene Produktarten (News, Magazin, Packaging und Spezialpapiere) produzieren, drei verschiedene Maschinentypen für deren Produktion (Classic, Advanced und Special) standen zur Auswahl. Vorgegeben sind laut Handbuch auch verschiedene Kostenfaktoren. Dr. Sargl erstellte gemeinsam mit den Teams die Eröffnungsbilanz und das Brettspiel wurde mit den entsprechenden Chips bestückt. Drei Aufträge wurden vergeben und diese galt es anhand einer Checkliste zu bearbeiten. Die Spieler kauften Rohstoffe ein, setzten die Produktion in Gang, rechneten fixe und variable Kosten ab und verkauften schließlich alle Produkte, so dass wieder Geld in den Betrieb floss. Den Unternehmenserfolg konnten die Teams anhand der Chips auf dem Brett nachvollziehen. Sie erstellten Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanz.

Welche Unternehmensstrategie?
Im zweiten Jahr begann der Konkurrenzkampf. Jedes Team musste selbständig Entscheidungen bezüglich der Unternehmensstrategie treffen. Welches Produkt soll in Zukunft verkauft werden? Wird eine neue Papiermaschine gekauft? Welcher Maschinentyp ist notwendig? Wird eine Maschine umgerüstet und ein entsprechender Stillstand in Kauf genommen?

Die Aufträge wurden versteigert und schon begannen die Probleme. Was tun, wenn die Kapazität der Maschine für den Auftrag nicht reicht? Was tun, wenn überhaupt kein Auftrag reinkommt? Nach dem zweiten Geschäftsjahr galt es wieder anhand der Chips die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanz zu erstellen. Manches Team steckte bereits kritisch in den roten Zahlen. Die Bank gab kein Geld mehr, da der Eigenkapitalanteil zu sehr geschrumpft war. „Das Geld floss nur so durch die Finger“, meinte einer der Teilnehmer. „I lost moi Göld, I lost my money“, sang ein anderer. Der Spaßfaktor war trotz der ernsten Lage unverkennbar.

Aufträge müssen her
Weitere Aufträge wurden versteigert. Neue Probleme entstanden. Es musste unbedingt ein Auftrag her, also wurden die Preise gedrückt, manchmal unter den Selbstkostenpreis. „ Ruinöse Konkurrenz“, rief einer der Teilnehmer. Der Markt war hart umkämpft. Zwei Unternehmen hatten sich auf Spezialpapiere eingestellt, eine Branche mit wenigen Aufträgen. Der Papierpreis fiel besorgniserregend, Überkapazitäten entstanden durch falsche Auslastung. Einige Teams kamen ins Schwitzen, andere waren ganz euphorisch von dem Erfolg.

Am Ende stand die Erkenntnis, dass es genau so auf dem Markt tatsächlich abläuft. Glücklicherweise war es hier nur ein Spiel. Aber ein Spiel, das Bewusstsein geschaffen hat für Kosten und unternehmerisches Handeln. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Lernerfolg durch solch ein Planspiel sehr groß ist und dass Lernen so sogar richtig Spaß machen kann.