Fachartikel

Simulation einer Wellpappenanlage

Das Papierzentrum hat in eine neue Anlage investiert. Keine große, sondern eine Simulation, an der Lernende wie an einem realen Prozessleitsystem die Produktion steuern können.

Das Papierzentrum Gernsbach setzt seit vielen Jahren in der Aus- und Weiterbildung Simulationsprogramme ein. Diese Computer-Aided-Process-Simulations-Programme (CAPS) visualisieren praxisnah die Prozesse der Stoffaufbereitung, Papiererzeugung, Veredelung und Wellpappenerzeugung. Sie sind leicht zu bedienen und bieten die gleichen Eingriffsmöglichkeiten wie ein reales Prozessleitsystem. Die nun fertiggestellte neue Simulation einer Wellpappenanlage (WPA) ersetzt die alte WPA nach einer Einsatzzeit von mehr als 20 Jahren. Also wurde es Zeit in eine neue Anlage zu „investieren“. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit hat der gelernte Verpackungsmittelmechaniker und aktuelle Masterstudent der Verpackungstechnik an der Beuth Hochschule für Technik Berlin, Sören Rast, diese Aufgabe übernommen.
Der Einstieg in das Programm beginnt mit dem Gesamtüberblick einer WPA, in dem alle wichtigen Elemente des WET-End und des DRY-End dargestellt sind. Bevor die Inbetriebnahme der Anlagen starten kann, muss der Bediener sich für eine Sorte entscheiden. Er kann zwischen einer E-, B- und C-Welle sowie EB- oder BC-Welle mit den dazugehörigen Papierzusammensetzungen wählen. Zudem kann er eine bestimmte Arbeitsbreite festlegen.
Ein neuer Aspekt des neuen Programms ist die Möglichkeit eine einwellige oder zweiwellige Wellpappe zu produzieren. Somit können die Unterschiede im Prozess bei verschiedenen Qualitäten aufgezeigt werden. Für einen Bediener mit Erfahrung gibt es noch ein besonderes Highlight: Er kann seine eigene Zusammensetzung der Papierqualitäten eintragen und trainieren fehlerfrei „seine“ Wellpappe zu fahren.
Bevor der Bediener das Produkt erzeugen kann, muss er zunächst die Anlage mit dem Einschalten der einzelnen Aggregate starten. Auch hier findet er Neuerungen wie zum Beispiel in der umfangreichen Ausstattung der Einseitigen Wellpappe, der detaillierten Darstellung der Dampf- und Kondensatsysteme oder in der ausführlicheren Gestaltung der Bereiche im DRY-End. Sind alle Aggregate in Bewegung, Leimauftrag vorbereitet sowie die Zylinder und Riffelwalzen mittels Dampfdruck aufgeheizt, kann das Papier von Prozessbild zu Prozessbild aufgeführt werden.
Der Nutzer erkennt sofort das Laufen der Bahnen am Vorheizer beziehungsweise Vorbereiter, folgt dem Wellen‧papier durch die Riffelwalze plus Verklebung mit dem Deckenpapier und sieht die Einseitige Wellpappe sich zur Brücke bewegen. Sie gelangt über das Prozessbild Kaschierwerk zum Prozessbild Heiz- und Zugpartie. Die produzierte Wellpappe kommt nun ins DRY-End inklusive der Formatgestaltung mit oder ohne Rillung sowie einer oder zwei Ablagen. Die Qualität der Wellpappe ist entscheidend dafür, dass auch Formate in der Ablage ankommen. Hier ist der Anwender gefordert, alle Parameter so einzustellen, dass die Wellpappe fehlerfrei produziert wird. Diese Bestätigung bekommt er ständig auf der Fehlerseite angezeigt. Neben der Anlage selbst ist diese Fehlerseite ein sehr wichtiger Baustein in diesem Programm, da eine Vielzahl der bekannten Fehler in den einzelnen Bereichen angezeigt, erklärt und Lösungsansätze aufgezeigt werden. Der Bediener kann somit auch die Wirksamkeit seiner Veränderungen von Prozessparametern direkt verfolgen und gegebenenfalls eine Erfolgsmeldung verbuchen.