Archiv Papier und mehr

Pappe und Papier machen‘s möglich

Der Spielehersteller Ravensburger brachte das größte kommerziell erhältliche Puzzle der Welt auf den Markt. Papier und Pappe dafür lieferten zwei Unternehmen aus dem Schwarzwald. Die Pappe Köhlerpuzzle Premium entwickelte die Albert Köhler GmbH aus Gengenbach. Das Spezialpapier kommt von der Papierfabrik August Koehler aus Oberkirch.

Im Jahr 2007 initiierte die Albert Köhler GmbH zusammen mit Ravensburger ein Projekt mit dem Ziel, die damalige Puzzlequalität auf eine neue Ebene zu bringen und eine Premiumqualität zu entwickeln. In einem über zehn Monate laufenden Prozess wurde dies im Jahr 2008 realisiert. Seit nun fast zehn Jahren liefert Köhler seine Pappe Köhlerpuzzle Premium an den Spielehersteller aus Oberschwaben.

Ebenfalls speziell für die Anforderungen von Puzzles produziert die Papierfabrik August Koehler aus Oberkirch ein leinengeprägtes Chromopapier. Dieses Papier ist besonders strapazierfähig und gut bedruckbar und eignet sich somit besonders für die Herstellung von Puzzles und Spielen.

Das größte in Serie gefertigte Puzzle der Welt zeigt zehn Filmausschnitte berühmter Zeichentrick-Klassiker. Die Produktion des Puzzles im Format 6,80 auf 1,92 Meter ist eine Meisterleistung. Lesen Sie, wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Dumbo“ und „Der König der Löwen“ auf das Riesenpuzzle aus 40.320 Teilen kommen.

So wird das Puzzle hergestellt

Station 1: Der Illustrator an seinem Werk

Die zehn Disney Filmszenen sollten optisch zu einem Ganzen werden, so hat ein von Disney autorisierter Illustrator
jede einzelne Szene von Hand nachgezeichnet. Dafür saß er rund 650 Stunden am Computer bis er sein Gesamtwerk nach Ravensburg schicken konnte.

Station 2: Erste Motivprüfung in der Redaktion

Zwei Redakteurinnen sichten den ersten farbverbindlichen 1:1 Andruck des Motivs. Dabei prüfen sie, ob die Farbwiedergabe korrekt ist, ob es Unschärfen, Flecken etc. gibt und ob die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen optimal abgestimmt sind. Erst wenn
alles ihren Vorstellungen entspricht, erteilen sie die Freigabe für den Seriendruck.

Station 3: Von der Illustration zur Druckvorlage

Die Serienfertigung beginnt: Die Szenen von Schneewittchen & Co. sind in der Druckvorstufe für den Offsetdruck gelandet. Hier löst ein Mitarbeiter am PC die Belichtung der Druckplatten für das Motiv aus. Das heißt, für jede der vier Druckfarben wird das Puzzlemotiv über ein chemisches Verfahren als lichtempfindliche Schicht in Aluminium-platten eingearbeitet. Für die Druckfarben Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz wird je eine eigene Druckplatte belichtet.

Station 4: So kommt das Motiv in die Druckmaschine

Der Drucker montiert in jedem der vier Farbtürme die entsprechende Druckplatte, die automatisch eingezogen wird. Nach zehn Minuten Rüstzeit ist die Maschine bereit zum Drucken.

Station 5: Palettenweise Papier

Sind die Druckmaschine eingerichtet und die Testdrucke einwandfrei, befüllt der Drucker die Offset-Druck-Maschine für die Serienproduktion mit dem speziell für Ravensburger gefertigten,
leinengeprägten Papier aus dem Schwarzwald.

Station 6: Druckprüfung

Der geschulte Blick des Druckers erkennt mit dem sogenannten Fadenzähler jede noch so kleine Passungenauigkeit der Druckfarben. Er weiß, was er justieren muss, um einen optimalen, farbbrillanten Druck in der gewohnten Ravensburger Qualität zu erzielen.

Station 7: Farbe satt

Yellow, Cyan, Magenta und Schwarz … eine Farbe nach der anderen walzen die vier Farbtürme der Druckmaschine in hoher Geschwindigkeit auf die weißen Papierbögen. Pro Stunde sind das bis zu 18.000 Stück. Danach werden die Drucke gelackt, getrocknet und gestapelt.

Station 8: Gut kaschiert…

Die Kaschiermaschine klebt Bogen für Bogen der Puzzlemotive millimetergenau auf den typischen Ravensburger Puzzlekarton – jene blaue Pappe, die so gut verleimt ist, dass die Puzzlenasen auch beim x-ten Puzzeln noch standhalten: faltenfrei, ohne Lufteinschlüsse und kantengenau, und das auch im Riesenformat.

Station 9: Alles mal 10!

Schneewittchen, Bambi, Peter Pan… alle zehn Disney Filmausschnitte durchlaufen dieselbe Prozedur, bis sie dann fertig bedruckt und kaschiert auf die größte Herausforderung im Herstellungsprozess warten: die Zerstanzung zum Puzzle!

Station 10: Der Werkzeugbauer

Manufaktur für das Riesenpuzzle: Der Meister seines Fachs biegt Bandstahlmesser von Hand in Puzzlenasen. Jede Krümmung ist einzigartig. Biegung für Biegung klopft er sie mit dem Hammer ins Trägerholz. Dafür braucht er etwa 400 Arbeitsstunden.

Station 11: Die Puzzlestanze

Eine Mitarbeiterin legt die kaschierten Pappen der ersten Filmszenen in die Puzzlestanze ein. Zwei Kanten sind bereits im typischen Interlocking-Schnitt vorgestanzt. Mit einer Wucht von tausend Tonnen zerteilen die scharfen Bandstahlmesser das Bild in 4.032 Teile, die sogleich in einen Kunststoffbeutel fallen. Damit nichts im Werkzeug stecken bleibt, drückt ein Gummi die gestanzten Teile zuverlässig heraus.

Station 12: Letzte Qualitätsprüfung

Sind die Nähte des Beutels sauber verschweißt? Sind alle Puzzleteile gestanzt? Von der persönlichen Kontrolle hängt es ab, ob dieser Beutel zusammen mit den neun weiteren in den Puzzlekarton darf.

Station 13: Deckel drauf und fertig

Alle zehn Motive sind gestanzt, liegen in Beuteln bereit und werden zusammen mit Motivvorlage und Anleitung in eine extragroße Faltschachtel gepackt. Dann darf der Deckel auf das größte der Ravensburger Puzzles. Mit rund 20 Kilo Gewicht ist es auch mit Abstand das schwerste und braucht zwei kräftige Personen, die es auf die Palette wuchten. Gerade mal acht Stück der Puzzles haben darauf Platz.

Station 14: In alle Welt geliefert

Mit einem speziellen Förderfahrzeug werden die Rekord-Puzzles im hauseigenen Hochregallager aufbewahrt – bereit für die Auslieferung zu eifrigen Puzzlefans in Deutschland, Europa und auf dem ganzen Erdball. ■


Das größte Puzzle der Welt zeigt Motive aus Disney-Filmen.