Archiv Papier und mehr

Gezähnte Kunstwerke

Durch das kleine Format werden besondere Ansprüche an die Künstlerinnen und Künstler gestellt
Der etwas altmodische Begriff für Briefmarken lautet: Postwertzeichen. Daran kann man schon erkennen, dass sie wie Geldscheine einen genau bezeichneten Wert darstellen. Allerdings ausschließlich für die Beförderung auf dem Postweg. Deswegen brauchen auch sie Sicherheitsmerkmale und dürfen nur in ausgewählten Druckereien hergestellt werden.

Gabriele Eisenbarth

Briefmarken sind sorgfältig gestaltete kleine Kunstwerke. Als nationales Wertzeichen repräsentieren sie den Staat und deswegen sind die Motive der Sonderbriefmarken eng mit dessen Geschichte verbunden. So gab es im Jahr 2017 anlässlich des 500. Geburtstages der Reformation eine Luther-Briefmarke. Verantwortlich für die Postwertzeichen ist in Deutschland das Bundesministerium für Finanzen. Es wird bei der Motivauswahl unterstützt von Grafikdesignern, Wissenschaftlern, Philatelisten und Vertretern der Deutschen Post AG. Etwa 50 Motive werden jedes Jahr aufgelegt, die Größen reichen von knapp zwei Millionen bis hin zu 100 Millionen Stück. Dabei ist zum Beispiel in der Serie „Tierkinder“ in diesem Jahr ein Motiv mit zwei kleinen Waschbären. Neben den Sondermarken, die es einmalig zu einem bestimmten Anlass gibt, existieren die regulären Dauermarken, und zwar so lange, bis sich das Briefporto ändert.

Deutsche Post als Auftraggeber

Briefmarken gibt es in Nass- oder Selbstklebe-Ausführung. Bei den Verbrauchern immer beliebter werden selbstklebende Briefmarken. Sie sind vom Handling her einfacher, weniger empfindlich und man spart sich das Ablecken oder Befeuchten. Die Bundesdruckerei bezieht den selbstklebenden Haftverbund in der Regel nicht von
einem Papierhersteller, sondern von
einem Veredler. Dieser wiederum kauft das (gestrichene) Rohpapier ein und produziert daraus den Haftverbund bestehend aus dem silikonhaltigen Trägermaterial, einer Klebeschicht und dem Trägerpapier, das bedruckt wird.

Gedruckt werden Briefmarken, die als hoheitliches Merkmal immer den Aufdruck „Deutschland“ tragen, entweder in der Bundesdruckerei, bei Giesecke & Devrient oder bei Bagel-Security-Print. Von den dreien ist nur die Bundesdruckerei ähnlich wie die Deutsche Bahn eine GmbH, die zu 100 Prozent dem Bund gehört. In Europa gibt es eine Reihe von privaten und staatlichen Druckereien, die im Produktsegment Sicherheitsdruck etablierte Größen sind. Sie müssen Sicherheitsauflagen erfüllen und die Genehmigung haben, Verbrauchsmaterialien, wie zum Beispiel das Papier, beziehen zu dürfen. Die Deutsche Post als Auftraggeber entscheidet, wo gedruckt wird. In der Regel ist das in Deutschland, denn hier gibt es keine Sprachprobleme und kurze Wege.

Perforierungs-Techniken

Es ist nicht leicht, die winzigen Etiketten zu bedrucken und weiterzuverarbeiten. Das kleinste Format ist zehn mal zehn Millimeter, Sondermarken sind 44,2 mal 26,2 Millimeter groß oder 35 mal 35 Millimeter. Bei der Bundesdruckerei werden die Briefmarken im vierfarbigen Offset bedruckt, mit einem Flexo-Druckwerk können zusätzlich Veredelungen wie Iriodinfarben oder Duftlacke aufgebracht werden. Die nassklebenden Marken zu perforieren ist wegen der gezähnten Abrisskante eine Kunst, die viel Erfahrung und Knowhow erfordert. Die Zähnung ist eines von mehreren Sicherheitsmerkmalen und erschwert die mehrmalige Verwendung der gleichen Briefmarke. Sie entsteht bei den gummierten Papieren entweder als klassische Kammperforation, bei der eine Nadel ein Loch durch das Papier stößt. Oder als Schleifperforation: Dabei drückt ein mit Metallpins bestückter Zylinder die Papierbahn gegen Fräsen, die das Loch freifräsen. Die selbstklebende Variante ist einfacher. Der reguläre Stanzvorgang hat hier schon eine Zähnungskante, und die Marke kann einfach abgelöst werden.