Archiv Im Blickpunkt

Gefaltet und geprägt

Faltung, Wasserzeichen und Prägung finden sich im Bau des im September wiedereröffneten Papiermuseums Düren wieder. Der Architekt ließ sich vom Papier inspirieren.

Bereits seit 1990 wurde die Geschichte des Papiers in Düren in einem eigenen Museum präsentiert – in direkter Nachbarschaft zu dem seit 1905 bestehenden Leopold-Hoesch-Museum. Nun hat das Papiermuseum eine umfangreiche Sanierung und zeitgemäße Neukonzeption erfahren. Damit macht Düren ein wichtiges Thema seiner Stadtgeschichte, aber auch der Gegenwart in dieser Papierstadt neu erlebbar.

Beeindruckende Fassade

Für die Gestaltung des neuen Papiermuseums und seiner Dauerausstellung zeichnen der mehrfach prämierte Kölner Architekt Klaus Hollenbeck und sein Team verantwortlich: Er schuf einen modernen Anbau und eine attraktive Außenfassade, die Bestand und Neubau miteinander verbindet. Der Bezug zu Papier ist offensichtlich: Die Fassade wirkt wie eine gefaltete Origami-Figur, an Wasserzeichen erinnern die ausgefrästen Fenster und die Museumsbeschriftung wurde auf die Außenwand geprägt. Sie erscheint auf der Fassade weiß auf weiß, glatter Putz auf rauem und das gleich in zwei Versionen: Neben dem Schriftzug in lateinischen Buchstaben verweist eine Zeile in Brailleschrift darauf, dass sich das Haus auch an Blinde und sehbehinderte Besucher richtet. Da es in Düren verschiedene Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte gibt, werden deren Bedürfnisse bei allen Bauvorhaben in der Stadt selbstverständlich berücksichtigt.

Im Innern des Museums erinnern schräge Wände und spitze Winkel ebenfalls an gefaltetes Papier. Die gesamte Fläche wurde durch den Einbau eines zweiten Geschosses von 500 auf 900 Quadratmeter vergrößert und ein optimaler Rundgang geschaffen.

Neues Ausstellungskonzept

Auch konzeptionell wird das Thema Papier im Museum vollkommen neu in Szene gesetzt – informativ und emotional: Fünf zentrale Einheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten präsentieren den Werkstoff. So zeigt der Ausstellungsbereich „Geschichten“ nicht nur die wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Papiers, sondern lässt auch Menschen, die einen besonderen Bezug zum Papier haben, durch Filmsequenzen mit ihren eigenen Papiergeschichten zu Wort kommen.

Die Abteilung „Wertschöpfung“ im Herzen der Ausstellung präsentiert die verschiedenen Materialien, die für die Produktion von Papier wichtig sind, und zeigt anhand von Produktionen aus Düren, wo uns Papier im Alltag begegnet – von der Eintrittskarte über den Getränkekarton bis zum Lampenschirm. In der Abteilung „Visionen“ wird der Blick in die Gegenwart und Zukunft gerichtet. Das bisherige Verständnis von Papier befindet sich im Umbruch. In Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen werden neue Papiere mit faszinierenden
Eigenschaften entwickelt und Herstellungs- sowie Verarbeitungsprozesse auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit revolutioniert. Der Bereich „Ordnung“ dokumentiert schließlich, welche Bedeutung Papier in der Entwicklung unserer zivilisierten Kommunikationsgesellschaft hatte und hat. In der interaktiven Gegenüberstellung von wertvollen Originalen und klassischen Medien mit der digitalen Welt können die Besucherinnen und Besucher diesen Wandel selbst miterleben. Unter dem Titel „Künste“ steht die Sonderausstellungsfläche, die Werke aus den Sammlungen des Papiermuseums und des Leopold-Hoesch-Museums zeigt.

Als außerschulischer Lernort verfügt das neue Papiermuseum Düren über
eine gut ausgestattete Papierwerkstatt, in der Gruppen und Einzelpersonen mit dem Werkstoff experimentieren können. Das neue Papiermuseum legt einen Schwerpunkt auf Inklusion. Es gibt zahlreiche Angebote für Menschen mit Einschränkungen, speziellen Bedürfnissen und besonderen Begabungen. Die gesamte Ausstellung ist barrierefrei zugänglich.

Zum Ausstellungsbesuch erhält jeder Besucher ein Buch: Es informiert und inspiriert, gibt Anregungen für Spiele und enthält Faltvorlagen und vieles mehr. Daneben bietet es viel Raum für
eigene Kreativität.

www.papiermuseum-dueren.de


Wertvolle Unterstützung

Bis heute stellt Papier in der Region Düren einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Zahlreiche Unternehmen der Papierindustrie, Familienunternehmen wie konzerngebundene Firmen, haben eine hohe regionale Verbundenheit. Das zeigt sich auch bei deren Engagement für das neue Papiermuseum Düren. Die Industrie hat das Projekt nicht nur von der Initiierung im Jahr 2012 über die Planung bis hin zur Umsetzung mit Rat und Tat unterstützt, sondern auch mit mehr als einer Million Euro einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung geleistet. ■