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Für die größten Kasinos der Welt

Vor 85 Jahren begann Koehler mit der Produktion von Spielkartenkarton. Seitdem hat sich einiges verändert. Neue Papier- und Streichmaschinen sind hinzugekommen, neue Märkte wurden erschlossen und auch den einen oder anderen Hype hat Koehler miterlebt. Aber eines hat sich nicht verändert: Aus Oberkirch kommt nur die allerbeste Qualität.

Vor 85 Jahren, im Jahr 1934, schaffte Koehler die erste Streichmaschine an. Sie ermöglichte es dem Unternehmen, den einseitig gestrichenen Spielkartenkarton zu produzieren. Es handelte sich um eine Bürstenstreichmaschine mit Hängetrockner. „Wie bei vielen technischen Errungenschaften hat man erst einmal imitiert, was man vorher von Hand gemacht hat“, erklärt Hartmut Felsch, Werkleiter bei Koehler in Oberkirch. „Die Bürsten waren bestückt mit Rosshaar, Schweineborsten und Dachshaar“, berichtet Hugo Lepold, von 1949 bis 1988 Streichereileiter, in seinen Aufzeichnungen. „Der Farbauftrag erfolgte mittels Filz überzogener Farbwalze. Die Trocknung des Farbstriches erfolgte in einem Trockenraum. Der Karton durchlief auf Stäben in drei Meter hohen Schlaufen den Trockenraum und wurde dann aufgerollt. Der Strichauftrag war nur einseitig. Geschwindigkeit ca. 40 m/min.“ Inzwischen wird der Strich online bei mehreren hundert Metern pro Minute aufgetragen.

Altenburger: damals wie heute ein wichtiger Kunde

Bei der Streichmaschine handelte es sich um ein gebrauchtes Modell, das Koehler von Dondorf in Sachsenhausen bei Frankfurt gekauft hatte. Mit ihr begann, was Koehler in die größten Kasinos der Welt führte – und auch zu der einen oder anderen Modeerscheinung. Allerdings ging die erste Lieferung an einen alten Bekannten, die „Vereinigte Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabriken“.

„Die Altenburger“, wie das Unternehmen auch heute noch bei Koehler genannt wird, waren damals Entwicklungspartner und sind auch heute noch ein geschätzter Kunde für Spielkartenkarton. Damals gingen etwa 100 Tonnen pro Jahr nach Thüringen und später nach Leinfelden/Echterdingen bei Stuttgart. Inzwischen sind es deutlich mehr, wie sich auch der Gesamtabsatz deutlich gesteigert hat.

1952: Die weltweit modernste Streichmaschine kommt hinzu

Die Kriegsjahre bremsten Koehler bei seinen Wachstumsbestrebungen. Weder konnte 1936 der Kauf einer gebrauchten Papiermaschine abgeschlossen werden, noch waren die Beziehungen mit den Nazis spannungsfrei. Kriegswirtschaft und Rohstoffmangel taten ihr Übriges. Die Gesamtproduktion war von über 10.000 Tonnen in den 1930er Jahren auf 5.700 Tonnen im Jahr 1944 gesunken, die Mitarbeiterzahl von 600 auf 216 Ende 1945.

Für den Spielkartenkarton ging es 1952 mit dem Bau der Streichmaschine 2 aufwärts, einer Jagenbergmaschine mit Luftbürste, Flachtrockner und einer Arbeitsbreite von 1,5 Metern. Hugo Lepold nannte sie in seinen Aufzeichnungen „die damals weltweit modernste Streichanlage“. Die Maschine bestand bis 1971, bekam für den Spielkartenkarton 1964 aber Unterstützung durch die neue Streichmaschine 1.

Die ursprüngliche Streichmaschine 1 war nicht mehr zeitgemäß. 1971 wurde dann neben der Papiermaschine 4 die Streichmaschine 5 gebaut, eine kombinierte Blade-Rollschaber-Streichmaschine mit einer Arbeitsbreite von 330 Zentimetern und 600 Metern pro Minute Geschwindigkeit.

Mit GPI in die Kasinos der Welt

In den 1980er Jahren begann man bei Koehler, den Spielkartenkarton online, also bereits auf der Papiermaschine, zu streichen. Die Produktionsmenge lag Ende der 1980er Jahre bei 3.000 Tonnen, die zum größten Teil im europäischen Markt vertrieben wurden. Erst Anfang der 1990er Jahre wagte Koehler den Schritt über den großen Teich, wo mit dem Kunden Gaming Partners International (GPI; ehemals Brown & Bigelow und Gemaco) ein Partner für eine nachhaltige Zusammenarbeit gefunden wurde. Während das Wachstum mit GPI den Weg in die Fertigung hochwertigen Kartons für die Spielkasinos der Welt weiter vorantrieb, konnte 1995 durch Umbauten an der Papiermaschine 4 ein qualitativer Durchbruch erzielt werden. Die Leimpresse wurde durch eine Filmpresse ersetzt, was
einen Zweifachstrich ermöglichte und wodurch sich die Druckparameter verbesserten. Als 1998 die Streichmaschinen 5 und 6 zur Klebemaschine 1 umgebaut wurden, war endlich auch eine Klebung auf Maschinenbreite möglich.

Pokémon-Karten sorgen für ein
Absatz- und Umsatz-Hoch

Allerdings blieb Hartmut Felsch insbesondere das Jahr 1999 in Erinnerung. „Wir bekamen aus den USA eine Bestellung über 40 Tonnen Spielkartenkarton, und kurze Zeit später über 300 Tonnen“, sagt er. „Danach wurden monatlich 1.000 Tonnen bestellt.“ Die Erklärung: Pokémon-Sammelkarten wurden mit Koehlers Spielkartenkarton
gefertigt. „In der Zeit haben wir ziemlich viel Geld verdient“, sagt Felsch. „Allerdings war der Hype mit Ende 2000 leider ebenso schnell vorbei.“

Dass vor drei Jahren Pokémon-Figuren mit dem Handy gejagt wurden und teilweise noch werden, sieht Felsch genauso wie andere Erscheinungen der Digitalisierung nicht als problematisch für Koehlers Geschäft an. „Im Grunde ist es sogar förderlich“, sagt er. „Viele digitale Erscheinungen dieser Art haben auch die Produktion von Merchandise-Artikeln aus Papier im Schlepptau, wovon wir profitieren.“

Erfolgsgeheimnis:
Kunden zuhören und verstehen

Überhaupt hat sich Koehler eher auf die hochwertigen Spielkarten für Kasinos spezialisiert, wo mit GPI die Entwicklung weiter vorangetrieben wird. „Das Geheimnis liegt darin, mit den Kunden zusammenzuarbeiten und ihnen zuzuhören“, sagt Felsch. „Wir müssen die Bedürfnisse der Endanwender kennen und verstehen.“ Idealerweise bemerkt man so Veränderungen nicht erst durch Reklamationen.

Felsch ist sich sicher, dass der Spielkartenkarton bei Koehler auch in Zukunft eine Rolle spielen wird. Von der Menge kann er mit anderen Spezialpapieren natürlich nicht mithalten. Aber bei Koehler gehört er zu den Produkten, die einen besonderen Stellenwert genießen, was sich auch daran zeigt, dass seit 85 Jahren an der stetigen Verbesserung gearbeitet wird. ■