Beliebte Grüße an daheim - papierundtechnik.de

Archiv Papier und mehr

Beliebte Grüße an daheim

Trotz Facebook, What’s App und Co. – Postkarten werden immer noch gerne verschickt und von den Empfängern geschätzt. Die Grußkarten mit Fotos von Urlaubsregionen oder mit witzigen Sprüchen erhalten oft noch länger einen Ehrenplatz in der Wohnung.

Gunnar von der Geest

„Hey friends, alles super!“ Dazu noch ein Selfie sowie eine Auswahl lustiger Emojis – und ab geht die elektronische Urlaubspost in Echtzeit an Hunderte von Freunden.

Das mag modern und effizient sein, doch wenn die Deutschen nach ihren Gewohnheiten während der Ferien befragt werden, scheint ein Ritual kaum etwas von seinem Wert verloren zu haben: das Schreiben von Postkarten.

78 Prozent schreiben Karten

Gemäß einer repräsentativen Befragung des Forschungsinstituts „media control“ im Auftrag des Reiseveranstalters L‘TUR (2016) unter 1505 Personen im Alter zwischen 14 und 60 Jahren würden – neben der Nutzung von digitalen Medien – 78 Prozent ihre Urlaubsgrüße ebenfalls per Ansichtskarte übermitteln. Besonders Frauen greifen demnach gern zum Stift: Von ihnen schreiben 84 Prozent Postkarten, weitere vier Prozent sogar Briefe. Bei den Männern entscheiden sich immerhin 71 Prozent für einen Kartengruß. Weniger als ein Prozent kämen auf die Idee, einen Brief abzuschicken. Sechs Prozent der Postkarten-Schreibenden senden die Zeilen übrigens nur, weil sie der Meinung sind, dass es von ihnen erwartet wird. Die Meisten schreiben Karten aber: „Weil ich mich auch darüber freue.“ Und: Jeden Vierten hat der farbenfrohe „Fernweh-Ruf“ bereits dazu inspiriert, selbst eine Reise zu buchen.

200 Millionen Karten pro Jahr

Nach eigenen Angaben befördert die Deutsche Post etwa 200 Millionen Postkarten pro Jahr; rund ein Drittel davon in den Monaten Juni bis August. Der Großteil wird innerhalb Deutschlands verschickt. Ansonsten kommen die bebilderten Grüße vor allem aus Österreich, Spanien, Italien, Frankreich und den USA – den Top-Reiseländern der Bundesbürger.

Die Ursprünge der heutigen Postkarte reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der französische Kupferstecher Demaison soll im Jahr 1777 mit Bildern versehene Kärtchen gedruckt haben. 1840 kamen in England die ersten Briefmarken auf den Markt. Noch im gleichen Jahr wurden von Hand bemalte Pappkarten per Post versendet. 1865 veröffentlichte der Geheime Postrat Heinrich von Stephan seine Idee, offene Nachrichten ohne Umschlag zu übermitteln.

Ursprünglich wenig Platz für Text

Dieser Vorschlag stieß allerdings bei der preußischen Postverwaltung auf Widerstand. Man fand, es sei nicht schicklich, wenn Unbeteiligte die Mitteilungen anderer lesen könnten. Im Jahr 1869 führte Österreich-Ungarn die „Correspondenzkarte“ als günstige Mitteilungsform für die Bevölkerung ein; am 1. Juli 1870 folgten der Norddeutsche Bund gleichzeitig mit Bayern, Württemberg und Baden. Den ersten Masseneinsatz erlebte die Postkarte im deutsch-französischen Krieg 1870/71 als Feldpostkarte – auch weil sie gratis zugestellt wurde. Um 1900 wanderten in Europa jährlich mehrere Milliarden Mitteilungen in die Briefschlitze. In Frankfurt am Main gab es eine Fabrik mit 1200 Angestellten, die jeden Tag bis zu hundert neue Motive produzierten. Postkarten übernahmen zuweilen eine Reportage-Funktion, da sie Bilder von Ereignissen teilweise schneller beförderten als Zeitungen. In Wien beispielsweise erfolgte wochentags die Zustellung siebenmal täglich, sogar eine kurzfristige Verabredung ins Caféhaus war möglich. Ursprünglich kritzelte man übrigens den Text um das Foto; bis 1905 durfte auf der Vorderseite nur die Anschrift stehen, sodass im Prinzip fast kein Platz für Mitteilungen war. Deshalb ließen Drucker auf der Bildseite oft einen schmalen Streifen frei für „Tausend Grüße und Küsse.“

Auf heutigen Karten hat man dagegen mehr Platz zum schreiben. 45 Cent kostet das Porto für eine Karte innerhalb Deutschlands. Sie darf eine Länge von 14 bis 23,5 cm und eine Breite von 9 bis 12,5 cm haben, wobei die Länge mindestens das 1,4-Fache der Breite betragen muss. Auch die Papierstärke ist limitiert; sie liegt zwischen 150 und 500 g/m².


Manche hat eine Postkarte schon dazu inspiriert, selber eine Reise zu buchen.